Kultur

Literatur regional Kelletat über „Gutkinds frühe Jahre“

Stolperstein für die Stadt Mannheim

Archivartikel

Als ein Initiator des heute in Heidelberg beheimateten Universitätsinstituts für Übersetzen und Dolmetschen hat Curt Sigmund Gutkind in der Region Spuren hinterlassen – eines Instituts, das bis zum Jahr 1933 in Mannheim seinen Ort hatte, wo es auch gegründet worden war. Gutkind, der 1896 geboren wurde und 1940 starb, war Romanist und Übersetzer und floh aus Nazi-Deutschland, wo Verwandte von ihm ins KZ deportiert und ermordet wurden.

Paris, Oxford, London sind Stationen seiner Flucht. Über die frühen Jahre des Mannes weiß man weniger. Dem verschafft nun ein anderer Literatur- und Übersetzungswissenschaftler Abhilfe, der in Mannheim lebende Andreas F. Kelletat, der seine akribische Recherche mit dem Titel „Gutkinds frühe Jahre“ als Erzählung apostrophiert. Ob es also viele Mutmaßungen, gar Fiktionen in dem Büchlein gibt? Der Leseeindruck ist eher der einer genauen Spurensuche in regionalen und überregionalen Archiven.

Einblick in andere Zeit

Die Person wird lebendig durch die Umstände der Zeit, nicht zuletzt die Einblicke in den schulischen Alltag am Mannheimer Karl-Friedrich-Gymnasium, dessen Schüler Gutkind war. Und eben die historischen Umstände machen Kelletats Veröffentlichung auch für Leser interessant, die mit der historischen Figur innerlich weniger verbindet, als dies offenbar für den Autor der Fall ist. Ein Einblick in eine Zeit, die vermeintlich „nur“ ein gutes Jahrhundert hinter uns liegt, aber doch sehr anders war – auch wenn viele der erwähnten Adressen sich noch heute auf einem Mannheimer Stadtplan finden. „Ein Stolperstein für Mannheim“ heißt das Buch nicht von Ungefähr im Untertitel: Es fördert die Erinnerung an einen weiteren ehemaligen Mitbürger, der verdienstvoll wirkte in einer Gemeinschaft, ehe ein verbrecherisches Regime dem ein so willkürliches wie gewaltsames Ende setzte.

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