Kultur

Pop Immer mehr Künstler wehren sich dagegen, dass ihre Songs bei Veranstaltungen zur US-Wahl gespielt werden

Streit um die Macht der Musik

US-Präsident Donald Trump auf einer großen Bühne, dazu der Song „Rockin’ In The Free World“ von Neil Young: Diese Vorstellung wurde dem Musiker wohl unerträglich. Der überzeugte Demokrat prüft deswegen jetzt rechtliche Schritte gegen den Republikaner Trump.

Im Kampf gegen eine Zweckentfremdung ihrer Lieder bei Wahlkampf-Shows verlangen auch andere Stars wie Mick Jagger und Keith Richards oder Elton John von Parteien, ihre Musik nicht ohne Zustimmung zu verwenden. Sie sind Teil des Bündnisses Artist Rights Alliance (ARA), das Rechte von Songwritern und Musikern einfordert. Auch Künstler wie Alanis Morissette, Linkin Park, R.E.M., Elvis Costello oder Lionel Richie unterzeichneten einen Brief an Republikaner und Demokraten, der am Dienstag (Ortszeit) veröffentlicht wurde.

„Wir haben erlebt, wie so viele Künstler gegen ihren Willen in die Politik gezerrt und zu aggressiven Maßnahmen gezwungen wurden, um die Verwendung ihrer Musik zu verbieten – in der Regel Lieder, die während politischer Kundgebungen ausgestrahlt oder in Wahlkampfwerbung verwendet werden“, erklärte der Verband ARA. „Das kann Fans verwirren und enttäuschen und sogar das langfristige Einkommen eines Künstlers untergraben.“

Auch Rolling Stones betroffen

Schaut man sich eine vom Magazin „Rolling Stone“ zusammengestellte Protestler-Liste an, dann fällt auf: In den meisten Fällen wehren sich linksliberale, den Demokraten zuneigende Rock- und Popstars gegen eine Vereinnahmung durch die konservativen Republikaner.

Legendär ist der Streit von Bruce Springsteen mit den Wahlkampftruppen Ronald Reagans und anderer Republikaner, die „Born In The USA“ (1984) nutzen wollten. Da habe man seinen (gesellschaftskritischen) Text gründlich missverstanden, so Springsteen. „Ich glaube, Menschen haben den Wunsch, Gutes für ihr Land zu empfinden. Aber diese gute Sache wird manipuliert und ausgebeutet.“

Young dachte jetzt offenkundig ähnlich, als er sah, wie der von ihm zutiefst verachtete Trump seinen Song vom Album „Freedom“ (1989) Anfang Juli in Mount Rushmore nutzte. „Stellt Euch vor, wie es sich anfühlt, ’Rockin’ In The Free World’ zu hören, nachdem dieser Präsident gesprochen hat – als wäre es sein Titelsong. Ich habe ihn nicht dafür geschrieben.“ Er sei dabei, „den Präsidenten zu verklagen“, so Young.

Die Rolling Stones haben ebenfalls schon Unmut über Trump bekundet. Ihr Song „You Can’t Always Get What You Want“ erklang 2016 bei Auftritten Trumps – ohne Einverständnis der Briten. Die Zeile „Ihr könnt nicht immer bekommen, was Ihr wollt“ klingt nun zweideutig, da Trump um seine Wahl bangen muss. Eine weitere Zeile des Liedes von 1968: „Aber Ihr bekommt, was Ihr braucht“. Vielleicht ja auch Joe Biden. Viele Rockstars werden es sich wünschen. 

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