Kultur

Nachruf Peter Lindbergh prägte mit seinen Fotografien das Phänomen der Supermodels der 1990er Jahre mit – nun ist er im Alter von 74 Jahren gestorben

Streiter gegen die Diktatur der Perfektion

Die Gesichter sind ausnahmslos schön, und das Schöne liegt weniger im Perfekten denn im Besonderen. Es liegt im von unzähligen Sommersprossen überdeckten Gesicht einer Penélope Cruz, im kindlichen Ernst einer Greta Thunberg oder im übermütig aufgerissenen Mund einer Linda Evangelista auf dem legendären Foto von ihr und fünf anderen Topmodels in weißen Herrenhemden am Strand von Malibu, das der Fotograf Peter Lindbergh im Jahr 1998 geschossen hat. Seine Gabe war es, diese Schönheit des Besonderen herauszufiltern und zu zeigen, was andere lieber wegretuschierten. Nun ist er im Alter von 74 Jahren gestorben.

Geboren unter dem Namen Peter Brodbeck in Lissa (Leszno) im heutigen Polen, von wo seine Eltern fliehen mussten, wuchs er in Duisburg auf, ging 1978 nach Paris und pendelte zuletzt zwischen der französischen Hauptstadt, Arles und New York. Er hinterlässt nun seine Frau Petra, seine erste Frau Astrid, die vier Söhne Benjamin, Jérémy, Simon, Joseph und sieben Enkel.

Durch seine Arbeit für Magazine wie „Vogue“, den Pirelli-Kalender, aber auch für fast alle großen Modeschöpfer galt er als einer der bedeutendsten Mode-Fotografen überhaupt. Das Phänomen der Supermodels der 1990er prägte er mit, indem er Helena Christensen, Naomi Campbell oder Kate Moss als Persönlichkeiten mit starkem Charakter darstellte, über die vermeintliche Perfektion ihres Äußeren hinaus.

Feministischer Modefotograf

Früh hatte sich Lindbergh für einen künstlerischen Weg entschieden. Als junger Mann zog er unter anderem nach Berlin, wo er Abendkurse an der Kunstakademie belegte und anschließend Malerei in Krefeld studierte, bevor er sich auf die Fotografie konzentrierte.

Seinen Durchbruch hatte er 1978 mit einer Modeserie für den „Stern“ und arbeitete in der Folge für „Vogue,“ „The New Yorker“ oder den „Rolling Stone“. Indem er auf diese Weise tiefe Einblicke in die erbarmungslose Schönheitsindustrie erhielt, geriet Lindbergh aber mehr und mehr zu einem ihrer großen Kritiker. „Als Fotografen sind wir dafür da, die Frauen von der Diktatur der Perfektion und der Jugend zu befreien“, sagte er 2016 gegenüber der Zeitung „Le Monde“. Durch die nachträgliche Bearbeitung würden aus Frauen „Roboter“. In gewisser Weise wurde Lindbergh vielleicht zum Feministen unter den Mode-Fotografen.

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