Kultur

Tanz „Il nous restera ça“ im Mannheimer Eintanzhaus

Suche nach Empathie

Archivartikel

Sie besitzen die kreatürliche Anmutung und Anmut vierbeiniger fremdartiger Wesen, die sich synchron, mit gravitätischer Behutsamkeit aus dem Dunkel schälen. Beide Tänzer, Michelle Cheung und Evandro Pedroni, sind bei „Il nous restera ça“ im Mannheimer Eintanzhaus in schwarze Latexanzüge gehüllt, die zunächst nur ihre Gesichter freilassen, die Hände und Beine stecken zu diesem Zeitpunkt noch in einer Art von Hufschuhen (Kostüm: Heidi Bühl, Melanie Riester). Die von Peter Hinz und Steffen komponierte Musik hüllt ihre Bewegungen in einen düsteren Sphärenklang, der von fluoreszierenden Flächen und vibrierenden Sounds durchwirkt ist.

„Il nous restera ça“, vom La_Trottier Dance Collective in der Regie von Choreograph Éric Trottier aufgeführt, ist das erste Stück einer Trilogie namens „Ma poésie“, die sich in den kommenden Jahren der Frage widmen will, welche Strömungen und Stimmungen unsere Zeit beherrschen. Der Auftakt dieses Tanz-Gedichtzyklus beschäftigt sich mit der Suche nach der verlorenen Empfindsamkeit und Empathie.

Wie eine Entdeckungsreise

Bald lösen sich die Tänzer voneinander, auch die Musik verstummt zeitweise, Cheung und Pedroni beginnen, den Raum zu durchschreiten, zu erkunden. Karg ist der, wie eine Mondlandschaft, und finster, was der von Trottier und Stefan Grießhaber ausgestatteten Bühne eine Kontur-auflösende Weite und Tiefe verleiht. Auch die Performance selbst gerät gleichsam zu einer Entdeckungsreise, in der die Protagonisten eine Art Bewegungsevolution durchlaufen, ihre Körpersprache erproben, erweitern, das choreographische Vokabular ausdrucksvoll in die Formvielfalt des modernen Tanzes hinein entwickeln.

Die Musik wird zu einem flirrend sprudelnden Klanglebensquell, die Bewegungen dynamischer, komplexer. Zum Ende suchen sich erst die Hände der beiden, dann beginnen ihre Körper mittels in die Anzüge eingearbeiteter Magnete miteinander zu verschmelzen – zumindest für einige innige Momente. Ein starkes Schlussbild und insgesamt ein vielversprechender Auftakt für das Projekt „Ma poésie“. mav

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