Kultur

Suche nach Nähe

Diesem Buch über die Wieder-Annäherung einer 29-jährigen Frau an ihren Vater sind viele Leser zu wünschen – um Vorurteile über „die Alten“ und über „die Jungen“ abzubauen, um verfahrene Familienbeziehungen nicht als hoffnungslos abzutun und vor allem, um sich einen Lesegenuss zu bereiten. Der Inhalt ist schnell wiedergegeben: Die Ich-Erzählerin verreist für ein paar Tage mit ihrem Vater, um ihm wieder näher zu kommen. Bis zur Pubertät hatten sie ein herzliches Verhältnis zueinander. Dann verstummten sie. Es kam zu keinen echten Gesprächen mehr. Das Beisammensein wurde für beide quälend. Die Ich-Erzählerin, die mit der Autorin weithin identisch zu sein scheint, schreibt über das Tochter-Vater-Verhältnis: „Wir streiten uns nicht. Wir lieben uns. Aber was sollten wir auch sprechen. Wir wissen ja kaum etwas voneinander.“ Weil beide die Fremdheit überwinden wollen und weil in der Kindheit ein grundsätzliches Vertrauen zueinander gewachsen war, gelingt die neue Nähe. Der leichte, gelegentlich journalistische Stil macht die Erzählung gut lesbar. 

Ach, Papa. Suhrkamp Verlag Berlin. 187 Seiten, 14,95 Euro.