Kultur

Volkskunde Helmut Seebachs Buch über Felsbilder im Pfälzerwald

Symbole der Reformation und des Pietismus

Wer öfter durch den Pfälzerwald wandert, entdeckt früher oder später seltsame Zeichen an Felsen. Dann beginnt das Rätseln: Wer hat sie wann geschaffen? Welche Bedeutung haben sie? Sie werden bisher meist als vorgeschichtlich, teilweise als römisch oder mittelalterlich gedeutet. Der Volkskundler Helmut Seebach sieht dies anders: Viele, vielleicht die meisten Felsbilder stammen demnach aus der Zeitspanne zwischen 1600 und 1800.

Neben einigen von ihnen finden sich entsprechende Jahreszahlen. Als Schöpfer nennt Seebach Reformierte, Pietisten, vor allem aus der Schweiz. Die Angehörigen einer verfolgten Minderheit haben sich seiner These nach hier mit biblischen Motiven verewigt.

Seebach will nicht ausschließen, dass die Zeichen auf verborgene Versammlungsstätten hinweisen. Den Pfälzerwald charakterisiert er nämlich als „Schutz- und Rückzugsgebiet für Verfolgte und Bedrückte“. Und, was die Felsbilder angeht, als „verbindende Klammer“ zwischen alpinen und skandinavischen Exemplaren. Zum Vergleich mit den pfälzischen zieht Seebach denn auch ähnliche Darstellungen aus anderen Teilen Europas heran: Italien, Österreich, Schweiz. Zudem hat er in Bauernhäusern im Südschwarzwald, in Skandinavien und sogar in den USA vergleichbare Symbole entdeckt, die er den Pietisten zuordnet.

Sein Fazit: Die „nie hinterfragte auffallende Motivgleichheit und der nahezu identische Verbreitungsraum der Felsbilder mit den Ritzzeichnungen in Dreschtennen legen nahe, von ein und derselben bibelgläubigen Gruppe auszugehen.“ Mit anderen Forschern geht Seebach hart ins Gericht: Er wirft ihnen „exaltierte Esoterik und Keltomanie“ vor. Man mag dem Autor nicht in sämtliche Verästelungen seiner Argumentation folgen wollen, aber vieles wirkt schlüssig. Es bleibt nun zu hoffen, dass Vertreter der bisher herrschenden Theorie bereit sind, auf die Argumente Seebachs einzugehen. kba