Kultur

Sonderausstellung Fünf Freilandskulpturen des Joseph-Beuys-Schülers Meuser in Schlierbach / Die meisten Exemplare bekommen keinen Titel

Synthese aus Kunst und Technik

„Meuser“ lautet das Pseudonym eines Bildhauers, von dem fünf Monumentalplastiken zurzeit im Skulpturenpark Heidelberg zu sehen sind. Diese Exponate stammen aus der Sammlung Grässlin, Sankt Georgen. Die offizielle Eröffnung der temporären Einzelausstellung wurde auf den 25. September 2020 verschoben. Aber auch ohne ein solches Event ist ein Spaziergang durch den großzügig angelegten Park rund um die Schlierbacher Orthopädie ein Erlebnis, denn sehr bekannte Bildhauer sind dort mit Monumentalplastiken vertreten.

In Meusers Vita ist zu lesen, dass er aus Essen stammt, bei Joseph Beuys studiert hat und dass seine Arbeiten sogar im Rahmen der Kassler documenta sowie im Kunsthaus Zürich zu sehen waren. An der renommierten Düsseldorfer Kunstakademie lehrte er bis 2015 und erhielt einige Kunstpreise. Als Alleinstellungsmerkmal fällt dabei ins Auge, dass er auf sein vornamenloses Pseudonym „Meuser“ besonderen Wert legt. Hinter dem Namen scheint ein Geheimnis zu stecken, das offensichtlich in einem Zusammenhang mit seinem Werkkonzept steht.

Visualisierung gigantischer Kräfte

Der Name „Meuser“ steht nämlich im Wirtschaftsleben für hochwertige Drehmaschinen, die bei der Metallverarbeitung Verwendung finden. Die Einwirkung solcher Maschinen ist bei den riesigen Metallplatten, die sich in den Werken dieses Bildhauers wie dünnes Papier verformen, nicht zu übersehen.

Meusers Plastiken haben in der Regel keine Titel. „Ohne Titel“ steht bei drei der fünf Schlierbacher Großplastiken. Bei den beiden anderen sind die Titel eher ironisch zu verstehen. Sie lauten „Spuckschutz“ und „Gorilla“. Bei seinen Arbeiten geht es zum einen um die Sichtbarmachung der gigantischen Kräfte, welche das Metall in dieser Weise verformten, zum anderen um die Erkenntnis, dass es sich bei diesem Material um Verformungen handelt, Ausschuss des industriellen Gestaltungsprozesses, der irgendwo auf einem Schrottplatz gelandet war, woher ihn Meuser geholt und auf minimalistische Art und Weise aufgearbeitet hat.

Christina Korzen, die Autorin des Katalogs zur Ausstellung, stellt solch gigantische Fundstücke in einen Kontext mit den „objects trouvés“ der Surrealisten – doch sind die Objekte Meusers weitaus gigantischer, aber: Sowohl die Struktur als auch die industrielle Farbe wird dabei belassen. Neben den Großplastiken hat Meuser speziell für die Ausstellung in Heidelberg eine Unikat-Edition bestehend aus zehn Wandtafeln mit den Maßen 60 x 50 cm geschaffen, die nach den derzeitigen Einschränkungen in den Räumen der Klinik besichtigt und erworben werden können.

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