Kultur

Ballett Autoren kooperieren mit Dance Theatre Heidelberg

Tänzer nutzen „Freiräume“

Archivartikel

Tänzerinnen und Tänzern schon während ihrer aktiven Zeit die Chance zu geben, auch in der Choreografie Fuß zu fassen, ist längst eine Normalität in den Compagnien von festen Theatern. In Heidelberg ging man noch einen Schritt weiter und vereinte unter dem Titel „Freiräume“ tänzerische und literarische Kreativität. Mitglieder des Dance Theatre Heidelberg kooperierten im Zwinger 1 in acht Stücken mit lokalen Autoren und Autorinnen der Unesco City of Literature.

Bildliche Umsetzung überzeugt

Ein Experiment, in dem der Tanz allerdings mehr Substanz hatte. Vor allem, weil ein Überfliegen der im Programm abgedruckten Texte eher verdunkelte als erhellte und ein paralleles Lesen in der Dunkelheit des Zwingers nicht möglich war. Mehr als die literarische Basis blieb deren bildliche Umsetzung hängen. So beim Gedicht „Schwestern der Nacht“ von Karina Odenthal, für das Ines Belda Nácher in „A battle you know nothing about“ (Ein Kampf von dem du nichts weißt) eine geglückte Übersetzung für den Weg zur Selbstbefreiung fand. Die anfängliche Blindheit symbolisiert ein Tuch über den Augen, das Gefangensein eine Decke, die den Fuß-Freiraum einschränkt.

Weniger einen eigenen kreativen Text als vielmehr einen Kommentar zum Tanz lieferte Sofie Steinfest für Orla McCarthys humorvolles „Performing me“, in dem der lange Schlacks Axier Iriarte zu Musik von Bronski Beat, Laurie Anderson und Crystal Castles mal charmant, mal schüchtern, mal schelmisch, mal selbstironisch, mal im Laufsteg-Posing, dann wieder in eitler Selbstgefälligkeit mehrere Identitäten zur Schau stellt.

Gelungen auch „Café tripping and the dinosaurier bird“, in dem Jacqueline Trapp eine sehr klare Idee zu dem mit Silbenvariationen spielenden „Difference in repetition“ von Miriam Tag entwickelt und aus zwei Spielenden zwei Industrie-Roboter macht. Einsamkeit und Selbstfindung sind weitere Themen des Abends, augenfällig die verschlungenen, sich kaum voneinander lösenden Körper in „Rules or Roots“, in „Flying bodies across the Fields“ und in „Anansi“.