Kultur

Festspiele Ludwigshafen Damien Jalets „Omphalos“

Tanz um den Nabel der Welt

Archivartikel

„Klappe zu, Affe tot“, könnte man am Schluss etwas flapsig sagen. Denn die Menschheit ist ausgelöscht. Die Geschichte der Welt in Damien Jalets umjubeltem Theaterstück Omphalos, das bei den Festspielen im Ludwigshafener Theater im Pfalzbau aufgeführt wurde, nimmt kein gutes Ende.

Omphalos, das ist der griechische Name für Nabel, war ein Kultstein im Adyton des Apollon-Tempels in Delphi. Dort wurde Omphalos, der einer Sage nach als Meteor vom Himmel fiel, als Heiligtum des Apollon verehrt. Göttervater Zeus habe eines Tages zwei Adler von beiden Enden der Erde losgeschickt. Der Ort, an dem sie sich trafen, markierte den Omphalos, den Nabel der Welt.

Welt als Satellitenschüssel

In Jalets Stück ist die Welt eine riesige Satellitenschüssel, die fast den ganzen Bühnenraum einnimmt. Leicht zur Seite geneigt und gestützt von einem Geflecht aus Metallstäben, birgt sie vergleichbar einem Nabel, ein Loch in ihrer Mitte. Elektronische Musik erklingt, wie Signale aus dem All. Um den nabelähnlichen Hohlraum machen sich vier Figuren mit Adlermasken und in glitzernden Kostümen zu schaffen.

Nach und nach bergen sie 16 lehmartige menschliche Gestalten daraus, die noch Nabelschnüre um den Kopf gebunden haben. Mithilfe eines Seils, das die Schnüre nach oben zieht, können sie ihre Lehm-Verpuppungen abstreifen. Sie richten sich auf, beginnen einander wahrzunehmen, ihre Umwelt zu erkunden und neugierig über den Tellerrand zu schauen.

Die meisten von ihnen bleiben beim Versuch leblos in den Metallstreben hängen. Andere fallen in den Nabel-Schlund, den die vier, mit gottgleicher Macht versehenen Adlerfiguren, danach für immer verschließen.

Es ist diese Mischung einer Fabel über die Entstehung der Welt, die Kosmologie und die menschliche Wahrnehmung von Raum und Zeit, die fasziniert. Vor allem aber ist es die großartige Choreographie Damien Jalets, die er für Ceprodac, das einzige zeitgenössische Ensemble Mexikos, kreiert hat.

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