Kultur

Kunsthalle Das Mannheimer Museum erweitert sein museumspädagogisches Angebot um weitere digitale Komponenten

Tanzend neue Zugänge zur Kunst finden

Archivartikel

Ob das ein neuer Besuchermagnet der Mannheimer Kunsthalle wird? Das Zeug dazu hätte die „Skulpturendisco“, die das Museum gestern als neuen Bestandteil seiner Museumspädagogik und Kunstvermittlung vorgestellt hat, wohl schon. Wer sich im Erdgeschoss des Jugendstil-Altbaus vor einem Monitor bewegt, am besten tanzt, der sieht nach einer Weile, wie sich an der Wand vor ihm entsprechende Bilder abzeichnen.

Eine Art Bewegungsfilm entsteht, und immer wieder werden einzelne Posen zusätzlich in Bildern festgefroren; außerdem erklingen wummernde Klänge, die eine ganz eigene Dynamik erzeugen. Das ist nur eines der interaktiven Elemente, die das neue „Creative Lab“ – also das kreative Labor der Kunstvermittlung – umfasst, aber es ist das wohl spektakulärste und eingängigste. Klar, es macht Spaß, es bringt einen aber auch dazu, sich mit den Bewegungen des eigenen Körpers zu beschäftigen und mit den Möglichkeiten, sie abzubilden. Und es fördert so auch den Sinn für die Formen von klassischen Plastiken und Skulpturen.

Kunstvermittlung ist auch dies, aber eben eine, die neue, bisher ungekannte Wege geht. Das beansprucht die Kunsthalle freilich auch insgesamt für ihre „digitale Strategie“ genannte, auf Computertechnik und multimedialen Formen aufbauende Museumspädagogik. „Beispiellos in ihrer Art in Deutschland“ sei sie, so wiederholte Museumsdirektorin Ulrike Lorenz gestern auf einer Pressekonferenz. Und der Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung, die die neuen Medien- und Vermittlungsangebote des Museums mit einer Zuwendung von 1,85 Millionen Euro finanziert hat, spricht im selben Sinn von „Pionierarbeit“. Er, Christoph Dahl, ermunterte besonders die ältere Generation, „keine Komplexe zu haben“ und die neuen Angebote zu nutzen.

Persönlicher Besucherkatalog

An der „Collection Wall“ im Atrium des Neubaus, die in Form von Videoschirmen Informationen zu einzelnen Werken der Sammlung bereithält, seien Senioren sehr rege, hat Lorenz beobachtet. Die „Skulpturendisco“ hingegen dürfte eher Jüngere ansprechen. Der interaktive Graphiktisch im Altbau dagegen ist sicher für alle Altersgruppen geeignet; er bietet Abbildungen, Detailansichten und Hintergrundinformationen zu Arbeiten aus der Graphischen Sammlung.

Außerdem neu im Angebot ist ein bis zu 24 Seiten umfassender, selbst zu gestaltender Besucherkatalog; er wird per Post zugeschickt, falls man dafür zwölf Euro bezahlt. Originell auch zwei weitere Bausteine des kreativen Labors, die auf Kooperationen mit Hochschulen aufbauen: Mit einem Computertablet lässt sich eine Skulptur entwerfen, zudem sind per Datenbrille drei performative Aktionen nachzuerleben, die von Werken der Museumssammlung inspiriert sind. Wenn das keine neue Art der Kunstvermittlung ist!