Kultur

Klassik Ádám Balogh spielt bei der Klavierwoche im DAI

Termin mit Beethoven

Archivartikel

Unter den Verdacht, ein Wunderkind zu sein, geriet er früh. Und war erst 13 Jahre alt, als er 2010 unter dem Dirigenten Iván Fischer sein Debüt mit einem großen Sinfonieorchester gab. An der Musikhochschule in Hannover wird dem jungen ungarischen Pianisten Ádám Balogh – von Klavier-Professor Arie Vardi –nun der letzte Schliff verpasst. Dass dies gelingen könnte, darf man nach dem Auftritt Baloghs bei der 32. Klavierwoche in Heidelberg für höchst wahrscheinlich halten.

Er spielt Beethoven. Im Jubiläumsjahr ist das für Musiker und Publikum kaum zu verhindern, während man davor häufig den Eindruck haben konnte, dass die jungen Pianisten den Titanen eher mieden. Den erzählerischen Bogen und das philosophische Gewicht der klassischen Sonatenform zu stemmen (also auch den intellektuellen Dimensionen Beethovens gerecht zu werden), schien den Nachwuchs tendenziell zu überfordern.

Pianistische Entwicklung

Nichts davon bei Ádám Balogh, sein Programm aus drei Sonaten ritzt er ohne Pause in die Tastatur: Ein „Date“ mit Beethoven gestattet keine Ablenkung. Auch kommen so die Ähnlichkeiten zwischen den Sonaten deutlicher zur Geltung, Ähnlichkeiten, die der junge Pianist im Heidelberger Deutsch-Amerikanischen Institut zwar andeutet, aber nicht wirklich nennt. Etwa den Umstand, dass das erste der von ihm gewählten Stücke (Opus 26) gleich im ersten Satz Variationen offeriert, das letzte aber (Opus 109) Variationen zum Finale bringt.

Dazwischen liegen ganze Welten pianistischer Entwicklung, und es imponiert, wie Balogh – körperlich wirkt er noch immer schmächtig – einen Beethoven von eherner Statur Gestalt gewinnen lässt. Ohne dass Klassisches dabei zur Unbeweglichkeit verfestigt würde, der Finalsatz der „Waldstein“-Sonate wird zum Feuerwerk mit Mehrfach-Trillerketten. Aber auch das Philosophische kommt nicht zu kurz: etwa, wenn Balogh ganz am Ende der Sonate Opus 109 das Thema rein und unberührt von allen Abenteuern des davor durchlaufenen Variationen-Werks zurückholt. Eine wunderschöne Rundung, ja Verklärung.

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