Kultur

Kunst Heidelberger Sammlung Prinzhorn wieder offen

Textile Schätze

Mit einer fulminanten, zerbrechlichen Ausstellung meldet sich auch die Sammlung Prinzhorn zurück ins Kunst- und Kulturgeschehen der Metropolregion. Der feine Titel „Ein mehrfacher Millionwerth“ verdankt sich einer Zeichnung des ungewöhnlichen und weitgereisten Kaufmanns Carl Lange, der 1852 in Lonkorrek (heute Polen) geboren wurde, später aber nach Bordeaux, New York und Mexiko zog. Im Laufe der Zeit wurde er immer verwirrter, kam in eine Anstalt und starb 1916 in der Einrichtung Schwetz, heute Swiecie (Polen).

Seine Zeichnungen gehören zu den fragilen Werken, die selten ausgestellt werden können und die nun im abgedunkelten Raum erscheinen. Dazu gehören aber auch ungewöhnliche textile Arbeiten wie etwa von Agnes Richter, die 1895 eins ihrer Jäckchen mit autobiografischen Texten bestickte, etwa mit der immer wiederkehrenden Nummer 583, was ihre Wäschenummer war, damit sie das Stück nach der Reinigung auch wieder bekam. Oder Jane Grier (geboren 1856), genannt Miss G., die mit Stickgarn auf ein Seidentaschentuch völlig Unklares, aber sehr schön Anzusehendes stickte, das in einem „Vergissmeinnicht“ gipfelte.

Langes Collageband

Die in Irland geborene Grier lebte als Gouvernante und Gesellschafterin in Dresden. Sie richtete immer wieder das gestickte Wort an ihre Ärzte, nachdem sie ab 1892 infolge allgemeiner Verwirrtheit in Kliniken untergebracht war. Nach 1893 verliert sich ihre Spur.

Ein sehr langes Collageband (260 Zentimeter) befindet sich ebenfalls in der Ausstellung. Es entstand um 1890, lange Zeit vor der Wiederentdeckung der Collage im 20. Jahrhundert. Die anonyme „Frau St.“ gehörte der Oberschicht an und fügte viele Zeitungs- und Papierschnipsel aneinander. Sehr empfehlenswert!

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