Kultur

Besonderheiten im Spielplan Die vier Sparten blicken auf eine prall gefüllte Saison mit insgesamt 95 Produktionen und das Festival Mannheimer Sommer

Theater im Zeitalter der Migration und Robotik

Als wolle man gleich zu Beginn dieser Pressekonferenz am Goetheplatz unterstreichen, dass die Generalsanierung auch wirklich zwingend ist, fällt mit einem Rumms gleich einmal das große Schild auf der Bühne zu Boden. Kulturbürgermeister Michael Grötsch (CDU) lächelt. Und fährt fort: Es sei seine erste Spielzeit ohne Intendantenwechsel. Er wirkt erleichtert. Die Intendanten Albrecht Puhlmann (Oper) und Stephan Thoss (Tanz) bleiben bis 2024. Das gibt Luft für die Sanierungsphase.

Der Geschäftsführende Intendant Marc Stefan Sickel verkündet danach Kooperationen wie mit den Verkehrsbetrieben oder nennt Zahlen: „Wir sind zuversichtlich, dass wir es erneut schaffen, über sechs Millionen Euro Eigeneinnahmen einzuspielen.“ Anfang Mai sei die Auslastung bei 76 Prozent, laut Sickel „der beste Wert seit 18 Jahren“.

Ferrante-Saga geht weiter

Danach spricht die einzige Frau. Intendantin Ulrike Stöck ist stolz. Vor 40 Jahren wurde als Schnawwl gegründet, was heute Junges Nationaltheater heißt. Das sei „ein spektakuläres Alter“ für ein Kinder- und Jugendtheater. Man sei das älteste im Land. Und neben neun Premieren, davon sieben Uraufführungen, kündigt sie denn auch gleich ein großes Fest samt Fachkonferenz an.

Im Schauspiel wird wie immer am meisten geboten. Es ist Christian Holtzhauers zweite Spielzeit, die immerhin 16 Premieren und 16 Wiederaufnahmen bringt – darunter auch den zweiten Teil der Romanadaption von Elena Ferrantes Saga „Meine geniale Freundin“. Drei Dramenklassiker stehen an: Neben Aischylos’ „Orestie“ und Tschechows „Möwe“ ist das Becketts „Warten auf Godot“. Wie immer geht das Schauspiel auch am intensivsten auf den sozialen Wandel ein. Holtzhauer fragt: „Was kann das Theater leisten?“ Es zeige die Welt und stelle ihre Herausforderungen in einen größeren historischen und künstlerischen Kontext. Das sei das Zentrum des Spielplans. Es gehe um Neuanfänge.

Während der Tanz von Intendant Stephan Thoss mit vier Produktionen sowie einer Werkstatt die Künstliche Intelligenz thematisiert und nach dem Menschen fragt, wo Rechner und Robotik schneller und autonomer werden, wendet sich das Musiktheater Albrecht Puhlmanns dem Orient zu. Schon in den Musiksalons werde man sich dem wichtigen Thema in der Migrationsgesellschaft widmen, und der Mannheimer Sommer am Ende der Spielzeit mit neun Premieren und einer neuen „Entführung aus dem Serail“ setzt den Schlussakzent samt orientalischen Musikern und Kompositionswettbewerb zu Albert Camus’ „Der Fremde“. Insgesamt 24 Produktionen spielt die Oper, und Freunde des Blues dürfen sich auf die Wiederaufnahme von „Blues Brothers“ freuen.

Der Vorverkauf beginnt fürs Opernhaus am 30. Mai (Abonnenten), sonst am 1. Juni. Die anderen Sparten folgen ab 1. Juli.

Info: Mehr Info und der Spielplan: nationaltheater-mannheim.de

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