Kultur

Der neue Film Margarethe von Trotta sucht Ingmar Bergman

Therapeut eigener Traumata

In ihrem neuen Film „Auf der Suche nach Ingmar Bergman“ unternimmt Margarethe von Trotta eine sehr persönliche Annäherung an den schwedischen Meisterregisseur. Zu Beginn ihrer filmischen Spurensuche inszeniert sie sich am Schauplatz von Bergmans berühmtem Film „Das siebente Siegel“ (1957) an der südschwedischen Küste, um in Gegenschnitten dessen Beginn zu kommentieren.

„Das siebente Siegel“ ist zugleich der Film, der, als sie ihn im nasskalten Pariser Winter des Jahres 1960 sieht, in der jungen Frau den Wunsch weckt, selbst einmal Filmemacherin zu werden. Sie trifft sich mit französischen Filmschaffenden zum Gespräch. Bergman habe das Kino offener gemacht und sei ein Wegbereiter des modernen Autorenfilms gewesen, sind sich der renommierte Drehbuchautor Jean-Claude Carrière und der Filmemacher Olivier Assayas einig. Als Margarethe von Trotta 1981 beim Filmfestival von Venedig für ihren Film „Die bleierne Zeit“ mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wird, schließt sich ohne ihr Wissen ein weiterer Kreis. Denn erst später erfährt sie, dass Bergman dieses Werk auf seine Liste der für ihn wichtigen Filme aufgenommen hat.

Mit Nervenkrise in München

Neben diesen persönlichen Anlässen und Verbindungen geht es von Trotta in ihrem Porträt- und Erinnerungsfilm aber natürlich vor allem um den Künstler und Menschen Bergman, der in seiner Arbeit „die Wahrheit über die Natur des Menschen zeigen“ wollte.

Sie begegnet Mitgliedern seiner verzweigten Familie und erfährt dabei etwas über sein Verhältnis zu Frauen, die so wichtig sind in seinen Filmen, sowie über seine Rolle als Vater, der gegenüber seinen Kindern eher distanziert war, sich selbst aber immer als Kind verstanden hat. Darin liegt vermutlich auch ein Schlüssel zu seiner künstlerischen Persönlichkeit.

Als Ingmar Bergman ab 1976 wegen des unbegründeten Verdachts der Steuerhinterziehung sein Land verlässt und für mehrere Jahre in München lebt und arbeitet, empfindet er dieses Misstrauen gegen ihn als Demütigung und stürzt in eine schwere Nervenkrise. Trotzdem verweigert er sich einer Therapie, die seine Kreativität einschränken oder gefährden könnte. Schließlich war für Bergman die schöpferische Arbeit selbst das beste Therapeutikum.