Kultur

Thielemann und Vogt retten „Lohengrin“

Archivartikel

Wer es nicht ohnehin schon längst getan hatte, der ist spätestens nach diesem „Lohengrin“ im Bayreuther Festspielhaus zu zwei Glaubensgemeinschaften konvertiert: den Vogtianern und den Thielemännern. Die Inszenierung von Yuval Sharon langweilt auch im zweiten Jahr. Leider kann da auch das unter dem Strich enttäuschende Bühnenbild des Leipziger Star-Malers Neo Rauch nichts ändern. Schöne Standbilder. Stehtheater. Überkommene Gesten. Statik allüberall.

Doch Klaus Florian Vogts Tenor wird immer mehr zu einer Jahrhundertstimme. Seine butterweich angesungenen Pianissimi als Lohengrin, seine mühelose Phrasierung und Konstanz über die Register und überhaupt die Tragkraft seines Tenors – das alles entspricht der übermenschlichen Zeichnung von Wagners Parsifal-Sohn Lohengrin. Und intensiver, brillanter, tiefer, leuchtender, emphatischer und kultivierter ist das auch aus dem Mystischen Abgrund vom Orchester kaum vorstellbar. Thielemann und Vogt – sie rocken das Festspielhaus und werden am Ende schon fast endlos gefeiert. Das Haus bebt. dms

Zum Thema