Kultur

Klassik Pianist Lars Vogt mit den Mannheimer Philharmonikern

Töne wie ein Wärmestrahl und markante Pointen

Archivartikel

Alles scheint auf einem nachhaltigen Wachstumskurs zu sein. Der Musensaal des Rosengartens ist bereits zu klein geworden, ab der kommenden Saison gilt es, den Mozartsaal zu füllen. Boian Videnoff als Dirigent und Macher dieser Mannheimer Erfolgsgeschichte kündigt es noch einmal an, nicht ohne Stolz. Die gute Nachricht muss sogar die orchestrale Zugabe ersetzen. Doch für Zugaben gibt es ja konzertierende Solisten –und auch deren Prominenz wächst immer mehr. Diesmal ist es der Pianist Lars Vogt, den die Mannheimer Philharmoniker begleiten dürfen.

Und bei der Begleitung bleibt es nicht: Im ausgewählten Stück, dem zweiten Brahms-Klavierkonzert, kommt es im herbstlich eingefärbten dritten Satz besonders auf das Solo-Cello an, Fernando García-Baró füllt den ihm gewährten Raum mit viel Präsenz. Sein Ton ist wie ein Wärmestrahl.

Lars Vogt dagegen liest die Noten seines Parts von einem „coolen“ iPad ab. Aber ein Brahms der Sorte 2.0 oder gar 4.0 wird nicht daraus, alles bleibt analog, massiv und haptisch. Vogt zeigt sich dem B-Dur-Schwergewicht mannhaft gewachsen, disponiert gewaltige finale Aufschwünge, nicht nur im Schlusssatz – aber hat in diesem auch noch leichte Hände für das tänzerische Rondo-Thema. Überhaupt lässt manche lyrische Passage aufhorchen, das nachgereichte Brahms’sche Intermezzo, dessen murmelnd mürbe Bässe in latenter Schwermut fermentiert sind, unterstreicht den Eindruck noch.

Ruhige Aufbauarbeit

Die Philharmoniker kommen uns nach der Pause freilich triumphal: Das Feuerwerk der siebten Sinfonie von Beethoven wird abgebrannt. Aber die feuerpolizeilichen Bestimmungen werden beachtet, Boian Videnoff entfesselt den Orchesterapparat nicht völlig hemmungslos, er leistet vor den Schlusspointen und Höhepunkten ruhige Aufbauarbeit: Der Eröffnungssatz bleibt lange Zeit idyllisch-pastoral. Bisweilen dürfte es sogar noch etwas lauter knallen, im Finale etwa ducken sich die Hörner fast ein bisschen weg. Aplomb und Präzision im Rhythmischen sind aber aller Ehren wert. Da wächst etwas.