Kultur

Theater „Fest der Toten“ im Mannheimer Quadrat G7

Tradition aus Mexiko

Archivartikel

Ein Theater ist immer ein Ort der Begegnung. An diesem Abend im Mannheimer Theaterhaus G7 geht es allerdings um Begegnungen der außergewöhnlichen Art – um eine Zusammenkunft der Lebenden mit den Verstorbenen. Zum gemeinsam mit dem Mannheimer Verein Peer23 ausgerichteten „Fest der Toten“ verwandelt sich das Theater in einen Ort, der für die Bewohner des Diesseits wie des Jenseits gleichermaßen einladend die Pforten öffnet: Draußen im Hof lodern Flammen in der Feuerschale und auf den Tischen gibt es ein Buffet. Drinnen finden sich farbenfrohe Papiergirlanden und Wimpel, reich verzierte Totenschädel in Gemälde- und dreidimensionaler Form und eine „Ofrenda“ – ein Altar und Gabentisch für die Toten, auf den Fotos und andere Erinnerungsstücke gestellt werden. In einer Ecke können die Gäste Briefe an ihre verstorbenen Liebsten schreiben, die dann draußen dem Feuer überantwortet werden.

Die zweitägige, liebevoll konzipierte, dekorierte und ausgerichtete Veranstaltung lehnt sich an den mexikanischen „Día de Muertos” an, der von Allerheiligen-Vorabend bis Allerseelen begangen wird. Nach alter Überlieferung kehren die Toten hierbei einmal im Jahr aus dem Jenseits zurück, um mit den Lebenden ein Wiedersehen bei Musik, Tanz und Essen zu begehen.

Mehr Raum für Tabu-Thema

„Der Grundansatz ist, dass wir die Toten einladen, mit uns zu feiern“, führt Pascal Wieandt aus, der das Theaterhaus gemeinsam mit Inka Neubert künstlerisch leitet. Das „Fest der Toten“ solle „eine Feier von und mit den Toten sein“, erläutert die Initiatorin der Veranstaltung, Elsa Romfeld, die als Medizinethikerin an der Universitätsmedizin Mannheim arbeitet und als Philosophin viel mit Tod und Sterben zu tun habe. „Es ist mir schon lange ein Anliegen, den Tod mehr ins Leben zu holen“, diesem Aspekt mehr gesellschaftlichen Raum zu geben, sagt sie.

Am Folgetag konnten nicht nur traditionelle Zuckerschädel bemalt werden, sondern es stand auch eine Parade zum Peer23-Domizil auf der Friesenheimer Insel auf dem Programm – nicht als Trauerzug, sondern als eine Feier des Lebens, die abends mit Musik und Tanz bei der „Margarine-Union“-Party das „Fest der Toten“ beschließen sollte.

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