Kultur

Kunst Neuer Heidelberger Kunstpreis „Werkstoff“ / Lebendige Übersicht über die verschiedensten Wege der Malerei heute

Tradition trifft auf vitale Kontraste

Archivartikel

Selten kommt es vor, dass man in der Kunstwelt eine solch freudige Botschaft übermitteln kann: Ein neuer Kunstpreis für Malerei wurde ins Leben gerufen. Der „Werkstoff“-Preis für Malerei ist mit 10 000 Euro, einem Katalog und einer Folgeausstellung dotiert. Fünf Künstlerinnen und Künstler aus unterschiedlichen Altersgruppen wurden nominiert: Yorjander Capetillo, Ernst Friedrich Drewes, Friedhelm Falke, Nadira Husain und Michael Thümmrich.

Die Ausstellung präsentiert nun die gänzlich unterschiedlichen malerischen Absichten der Nominierten. Am Eingang des Heidelberger Kunstvereins zeigt Nadira Husain ihre Arbeiten. Die Künstlerin wurde 1980 in Paris geboren, hat an der École Nationale Superiéure des Beaux-Arts in Paris und in Vancouver Kunst studiert, ist international aufgestellt, lebt und arbeitet heute in Berlin. Ihre indischen Wurzeln befähigen sie im hohen Maße zu einer neuen Kunst der globalisierten Welt, die die eurozentristische Weltsicht weit hinter sich lässt. Ihre Malerei speist sich aus indischen Heldensagen, altitalienischen Legenden und Comics. Die Motive legen sich in Schichten übereinander und aneinander, nicht gestaffelt, nicht nach unseren seit der Renaissance gültigen Malereigesetzen.

Witzige Anspielungen auf Vorbilder

Ganz anders arbeitet der 1958 geborene Friedhelm Falke; er studierte an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig und hat etliche Ausstellungen in Deutschland vorzuweisen. Sein Ansatz ist sehr witzig und kenntnisreich, so nennt er seine Gemälde etwa nach der amerikanischen Malerin Helen Frankenthaler, die er sehr verehrt, aber auch nach den Größen der Moderne wie Piet Mondrian und Kasimir Malewitsch. Seine Gemälde sind vollkommen abstrakt, häufig durchziehen Streifen den schummrigen Farbraum. Aber dann hängt er einfach ein kleines Gemälde von zwei Birnen daneben, figurativ und still.

Davon wiederum sehr verschieden ist der Zugang von Ernst Friedrich Drewes, der 1962 in Detmold geboren wurde, an der Kunstakademie Düsseldorf studierte und eher aus dem Zwischenbereich von Malerei und Plastik kommt, sind doch viele seiner Werke Polyurethanringe, die aneinandergelegt oder aufeinander gestapelt werden. Das sieht sehr fröhlich und bunt aus, wiederholt sich auch zweidimensional.

Der vierte Künstler des Wettbewerbs ist der 1982 in San Cristobal (Kuba) geborene Yorjander Capetillo, der zunächst Bühnenbild und dann Malerei in Havanna studierte und heute in Kiel lebt. Seine bühnenbildartigen Innenräume in dunklen Farben werden ab und an belebt durch abstrakte Elemente, die das Gemälde stark verändern.

Der letzte im Bunde: Michael Thümmrich. 1953 in Lörrach geboren, hat er an der Kunstgewerbeschule in Basel studiert. Seine dynamische Formensprache kann in ihrer Mischung aus abstrakten und figurativen Elementen sowohl gestisch als auch ganz ruhig erscheinen. Da sind wir mal gespannt, wie sich die Jury entscheidet!