Kultur

Online-Konzert Nick Cave als Solist im Londoner Alexandra Palace / Globale Streaming-Veranstaltung am 23. Juli

Traurige Musik für eine katastrophale Pandemie

Archivartikel

Es beginnt mit einem gesprochenen Gedicht – schon mal ein feierlicher Anfang für einen Konzertfilm über einen Songpoeten. „Once there was a song“, deklamiert Nick Cave mit seinem klangvollen Bariton. Der Sänger durchschreitet die leeren Räume des Londoner Alexandra Palace und setzt sich ans Klavier, um als Solist ganz ohne Publikum seine Lieder für Corona-Zeiten zu singen.

Der Auftritt aus dem Juni wird am Donnerstag, 23. Juli, als „globales Streaming-Event“ präsentiert. „Idiot Prayer – Nick Cave Alone at Alexandra Palace“ dürfte all jene bestärken, die den Singer-Songwriter für eine der faszinierendsten Musikerpersönlichkeiten unserer Zeit halten. Die Lieder sind der gedrückten, wie so oft bei diesem Künstler auch düsteren Stimmung angemessen – traurige Musik für eine katastrophale Pandemie eben. Besonders berührend gelingen im Londoner Solokonzert „Girl In Amber“ und „Waiting For You“ – zwei Lieder aus aktuelleren Alben, die der Musiker seinem bei einem Unfall getöteten Sohn Arthur widmete. Sie enthalten typische Facetten des Songdichters Cave: Trauer, Angst, Melancholie, Pessimismus, aber auch Romantik und christliches Hoffen auf Erlösung.

„Idiot Prayer“ geht auf Caves Soloauftritte aus dem vorigen Jahr zurück. „Ich spürte, dass ich die Songs wiederentdeckte, und begann darüber nachzudenken, im Studio die neu erschlossenen Versionen bei Gelegenheit noch mal aufzunehmen“, so Cave. „Doch dann ging die Welt in den Lockdown. Die Welttournee mit den Bad Seeds wurde verschoben, Studios und Veranstaltungsorte machten zu. Und die Welt fiel in eine unheimliche, selbstreflexive Stille.“ Zu dieser Stille passen die andächtigen Cave-Songs aus mehreren Jahrzehnten perfekt. Der 62-Jährige wirft sich hinein in seine intensiven Klaviermelodien, einmal lacht er kurz über einen Anflug von überzogenem Pathos. Am Ende verlässt Nick Cave den Saal durch eine offene Tür, dem gleißenden Licht entgegen. Mit Stimmungen und Symbolbildern wusste er schon immer zu spielen. 

Zum Thema