Kultur

Enjoy Jazz Walter Fitzsimmons singt in Heidelberg

Traurigkeit hat einen Namen

Wem nach Party mit hohem Spaßfaktor zumute ist, hat an diesem verregneten Abend im Heidelberger Karlstorbahnhof nichts zu suchen. Selbst aus einem so belanglosen Pophit wie „I Want It That Way“ von den Backstreet Boys macht William Fitzsimmons im Verlauf seines Konzerts eine Weltschmerzballade. Den Spaßfaktor baut der Sänger, Gitarrist und Liedermacher in seine anschließende Moderation ein: Ein guter Song, meint er. Doch, doch, er liebe die Backstreet Boys, behauptet er gegen allen Anschein, der sein gesamtes künstlerisches Tun bestimmt.

Das Leben hat es, zumindest in Liebesdingen, offenbar nicht gut mit ihm gemeint. Von zwei Frauen verlassen – derlei Tiefschläge lassen einen schon mal zu Boden gehen. William Fitzsimmons verarbeitet seine Traumata in mollgetönten Songs. Das Verlassen-und-verraten-Werden, das definitive Sich-nie-mehr-Wiedersehen, das Auf-sich-selbst-zurückgeworfen-Sein bei der Endgültigkeit einer Trennung von einem geliebten Menschen – beste Voraussetzungen, um eine Depression zu kriegen.

Persönliche Tiefe

Fitzsimmons macht sich denn auch selbst lustig über diesen „depressing shit“ und entschuldigt sich sogar dafür – was natürlich genauso ironisch gemeint ist wie der angebliche Hang zu den Backstreet Boys. Dennoch ist es dem Sänger mit der sanften Stimme ernst. Die traurige Haltung wirkt weder aufgesetzt noch exhibitionistisch, sondern hat die Tiefe persönlicher Erfahrungen. Sie hat sogar einen Namen: „Angela“ zum Beispiel, die Fitzsimmons in einem seiner rund 20 Lieder an diesem Abend besingt. Sie entstammen schwerpunktmäßig seinem aktuellen Album „Mission Bell“ und beschreiben seelische Verwüstungen durch Verlusterfahrungen. Begleitet wird der US-Amerikaner vom Gitarristen und Keyboarder Adam Landry, mit dem er zusammen die letzten beiden Alben produziert hat. Ein neues ist in Arbeit, wie man an diesem Abend erfährt.

Aufs Konzert eingestimmt hat die norwegische Sängerin und Gitarristin Siv Jakobsen mit einigen ihrer wehmütig-fragilen Songs – Melancholiker mögen keine Stimmungskanonen sein. Aber wer braucht schon Stimmungskanonen!

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