Kultur

Trio-Jazz in Vollendung

Archivartikel

Ungefähr alle zehn Jahre tut sich der Gitarrist John Scofield mit Bassgitarrist Steve Swallow und wechselnden Schlagzeugern zusammen. Aber noch nie hat eine Begegnung eine solche Reife erlangt wie auf dem neuen Album „Swallow Tales“. Das hängt zum einen damit zusammen, dass Scofield im Zenit seines Könnens steht. Wie er im Akkordspiel entlegene Töne zusammenzwingt, deren Reibung regelrecht Funken schlägt, ist schlichtweg einzigartig, ebenso die Souveränität im rhythmisch spannungsvollen Setzen seiner Phrasen. Seine Improvisationskunst teilt er hier mit einem Ausnahmemusiker: Denn niemand spielt den E-Bass so wie Swallow. Er entlockt ihm filigrane Hochton-Soli und dunkel brodelnde Tiefton-Fundamente, die in stetem Fluss harmonisch unterschwellig gären. Seine Meisterschaft, die Balance zwischen Begleiten und Mitspielen zu finden, teilt er mit Stewart, der seine rhythmischen Akzente permanent umschichtet. Ständig ist in diesem hierarchiefreien Trio ein inspirierter Austausch von Ideen im Gange, der das Zuhören zur reinen Freude macht. Das Material für diese traumwandlerische Kommunikation liefert der Bassist: Von Swallow stammen alle Stücke – sie sind mal liedhaft, mal harmonisch dicht, und immer raffiniert durchdacht. 

Zum Thema