Kultur

Jazz Im Mannheimer Ella & Louis stellt Thomas Siffling sein New Quartet vor / Anspruchsvolle Eigenkompositionen treffen auf poppige Melodien

Trompeter, Flügelhornist – und jetzt auch Sänger

Vor diesem Auftritt sei er doch sehr angespannt gewesen, bekennt Thomas Siffling von der Bühne herunter, als das Konzert schon fast vorüber ist. Im Programmheft des von ihm geleiteten Clubs Ella & Louis ist es mit einem dreifachen „Surprise“ gekennzeichnet worden. Welche Überraschung denn nun zu erwarten wäre vom Debüt des neuen Quartetts von Mannheims Startrompeter, wird dabei mit keinem Wort angedeutet.

Was gar nicht verwunderlich ist, weil Siffling, wie er in der ersten seiner Ansagen in gewohnter Mitteilungsfreudigkeit erwähnt, nicht einmal die eigene Ehefrau darüber in Kenntnis gesetzt hat; aus Angst, sie könne ihm das Vorhaben wieder ausreden. In aller Heimlichkeit hätten die Proben stattgefunden; vormittags im Ella & Louis, wo allenfalls die Putzfrau etwas davon mitbekam.

Überraschung selbst für Fans

Nun also, vor ausverkauftem Haus, ist die Katze aus dem Sack: Thomas Siffling hat sich ein zweites Instrument zugelegt, die eigene Stimme – er singt jetzt auch! Nichts Ungewöhnliches unter Trompetern, den geheimen Wunsch dazu hat Siffling wohl auch länger schon gehegt.

Doch überzeugt davon, es tatsächlich zu probieren, hat ihn erst das beharrliche Zureden von Antonio Beradi. Der im Pop-Business international erfolgreiche, lange in London tätige Songschreiber lebt inzwischen in Mannheim, und er hat Sifflings neue Gruppe gleich mit einigen seiner Melodien und Liedtexten versorgt. Den Rest des Repertoires machen eigene Kompositionen des Trompeters aus, jetzt mit neu geschriebenen Texten versehen. Es fehlt auch nicht der eine oder andere Ohrwurm-Hit aus den Achtzigerjahren, wie etwa „Sweet Dreams“ von den Eurhythmics.

Keine Berührungsangst also vor poppigem Liedgut in Thomas Sifflings New Quartet; aber gerade das zuletzt genannte Stück verwandeln die Vier, wie es ihrem stilistischen Credo entspricht, in eine Glanznummer kollektiv improvisierter Groove-Musik. Filigran gespeist wird sie vom wohlig trockenen Wuseln der beiden Gitarristen: Dominik Bornhorn, aus Oldenburg stammender Master-Student der Mannheimer Popakademie, am E-Bass, und Daniele Aprile aus Weinheim, an vier abwechselnd eingesetzten Gitarren ungemein wandlungsfähig von stimmungsvoll klaren Tönen auf einem akustischen Instrument bis zu wahren Wah-Wah-Gewittern auf der E-Gitarre.

Explosive Soli

Kommt hinzu ein toller Mannheimer Schlagzeuger: Daniel Mudrack ist sich nicht zu schade, über längere Strecken ganz gruppendienlich bloß das Nötigste zu spielen, und seien es lediglich die vier Beats eines Taktes auf der Basstrommel. Von da aus groovt er sich allmählich ein, um dann bei seinen anspruchsvollen Soli regelrecht zu explodieren.

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