Kultur

Kabarett „Töpel & Schwöbel“ zu Gast im Luisenpark

Tummelplatz von Gefühlen

Archivartikel

Schade, dass bei dem „Jetzt erst Recht“-Kulturfestivalabend mit „Schwöbel & Tölpel“ auf der Mannheimer Seebühne trotz Sommertemperaturen mehr Plätze frei bleiben, als der Corona-Abstand geboten hätte. Aber jene, die in den blühenden Luisenpark gekommen sind, genießen die so furiose wie feinsinnige Doppel-Hommage an die Kurpfalz, ihre Menschen und eine „Sprooch“, die guttural aus der Gosch, aber emotional aus dem Herzen kommt und melodiös vom prallen Leben kündet.

Als (Bühnen-)Persönlichkeiten könnten Hans-Peter Schwöbel (Soziologe und Kraftfahrzeugmechaniker) und Armin Tölpel (Jurist) nicht unterschiedlicher sein, dennoch gibt es Parallelen: Beide haben erst andere Berufe erlernt, ehe sie das Kabarett als leidenschaftliche Profession entdeckten und sich dabei dem Wesen der Mundart näherten. Und dies taten sie stets dialektisch und nie dödelhaft!

In wechselnden Auftritten offenbaren Schwöbel und Töpel, dass jener Tummelplatz von Gefühlen, den wir als Heimat empfinden, mit Deutschtümelei so gar nichts zu tun hat. Der Sänger, Songschreiber und „Blues-Denker“ Töpel, der die Klaviatur von Tönen wie Texten gleichermaßen beherrscht, sinniert philosophisch: „Des Glick liegt knapp newa de Kapp“ , ob in Mannheim oder rund um den Macchu Picchu. Und wenn der Musiker mit starkem Haarwuchs am Kinn statt auf dem Haupt blödelt, dann mit Sprachwitz – wie in dem Liebeslied „I love you, you love me, laafe mer zsamme, wu laafe mer hi?“

Von Dollbohrer und Dorschtfest

Hans-Peter Schwöbel hat als gebürtiger Odenwälder die in seinen Beiträgen bilderreich geadelte „Muddersprooch“ nicht als Baby, sondern erst später als Bub aufgesaugt: Gleichwohl dürfte er sich darin so gut wie kaum ein anderer auskennen. Ob „Ferz mit Krigge“ (überkandidelt), „Dollbohrer“ (ungeschickter Mensch), „Raddegiggel“ (saurer Wein) oder „Dorschtfest“(eigentlich Dürkheimer Worschtfest) – Schwöbel kennt nicht nur Hintergründe solcher Mundartbegriffe, er weiß diese obendrein poetisch wie satirisch einzusetzen. Auch ohne Begleitinstrument klingt sein Kurpfälzisch mit all den Zischlauten und „ooongs“ (der „schwonkt“ weinselig) wie Musik.

„Schwöbel & Töpel“ beweisen, dass ein Mundart-Programm auch ohne Schenkelklopfer köstlich zu unterhalten und obendrein Denkanstöße zu geben vermag. Auf der Heimfahrt hat sich vermutlich so manch einer jenes kurpfälzische (Töpel-)Navi gewünscht, das mit Ansagen wie „nuffzuus als weider“ den Weg weist – während Schwöbels Zugabe nachklingt „sag zum Abschied leise alla!“.

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