Kultur

Weltmusik Das Giora Feidman Sextett spielt für den Frieden

Über alle Grenzen weg

Archivartikel

Mannheim.Er kommt, wie immer, von hinten, ganz leise. Er pirscht sich durch den Mittelgang der Mannheimer Christuskirche heran, mit einem fragmentarisch-zerstückelten „Hava Nagila“ in der Klarinette. Zart klingt das und fast, als wolle der Mann damit die Zerbrechlichkeit des Lebens darstellen. Es passt zum Statement des Abends: „Klezmer For Peace“. Giora Feidman, 83, hat es immer noch drauf. Er spielt weniger spektakulär als früher, statt schnellen und schrillen Nuancen, setzt er feine Pianissimi, die man so noch nicht gehört hat.

Sein Sextett umfasst exklusiv brillante Musiker. Seine Enkelin Hila Ofek an der Harfe glänzt durch eine Bearbeitung von Isaac Albeniz’ Virtuosenklassiker „Asturias“ (Original für Klavier). Ihr Mann Andre Tsirlin tritt mit flink und kultiviert gespieltem Sopransaxofon fast in Feidmans Fußstapfen, hat aber deutlich mehr Bluenotes drauf als der Meister, dafür weniger „jüdische Schluchzer“.

Königin der Verständigung

Immer, wenn die klassische Harfe dabei ist, klingt der Abend denn auch mitteleuropäischer, immer wenn diese drei Herren ihre Kunst offenbaren, orientalischer: Mit Murat Coskun (Percussion), Gürkan Balkan (Oud und Gitarre) sowie dem Mannheimer Muhittin Kemal Temel (Kastenzither Kanun) sitzen drei große Künstler vor dem Altar – am meisten beeindruckt vielleicht Coskun, indem er aus diesen einfachen Instrumenten mit einem Fell auf einem Rahmen einen ganzen Kosmos an Farben und Klängen erzeugt – und dann, in „Aglama“, auch noch Obertongesang einstreut.

Es ist ein Abend der Grenzenlosigkeit, der die Gemeinsamkeiten des Menschen in den Vordergrund rückt – über Nationen und Religionen hinweg. Die gefüllte Christuskirche reagiert euphorisch. Und der lächelnde Feidman samt Familie hat sein Ziel erreicht: Musik als Königin der Verständigung sprechen zu lassen.

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