Kultur

Würzburger Mozartfest Stipendiaten überzeugten beim MozartLabor mit ihren Leistungen

Über die tiefe Sehnsucht des Horns

Im Rahmen des Würzburger Mozartfestes war 2014 das MozartLabor ein ganz neues Format, das als interdisziplinäre Programm-Initiative begann und inzwischen nicht nur von der Intendantin Evelyn Meining als „Herzstück“ des Mozartfestes angesehen wird. Auch in diesem Jahr begrüßte Meining vor dem Abschlusskonzert im Kaisersaal der Würzburger Residenz alle Mitwirkenden der intensiven Tage im Exerzitienhaus Himmelspforten rund um das Thema „Mozart, ein Romantiker?“.

Auf den Prüfstand stellten Mozartfest-Stipendiaten der Sektion Kammermusik die Ergebnisse ihrer Arbeit beim dreitägigen MozartLabor. Denn im Konzertprogramm mit Gesang, Horn und Klavier spiegelten sich die vorangegangenen Diskurse über Mozart, die Klassik und Romantik deutlich wider.

Grenzen des Machbaren

Zum Gelingen des auch in die Gegenwart weisenden Kammerkonzerts trugen Artiste étoile Julian Prégardien und als porträtierte Komponistin die seit 1988 in Berlin lebende, vielfach ausgezeichnete Ligeti-Schülerin Unsuk Chin bei, von deren Klavieretüden Yui Takahashi und Maria-Thérèse Zahnlecker eine Auswahl vorstellten.

Wie in einem Brennglas bündelten die Pianistinnen auf der beharrlichen Suche nach den Grenzen des Machbaren und Möglichen nicht nur im vertrackten Überkreuzspiel die Energiefelder der vorangegangenen Laborarbeit.

Mit der von der Anna-Lena Elbert mit einem schwerelos-hellen Sopran gesungenen Bravourarie „Lungi da te, mio bene“ aus Mozarts selten aufgeführter Jugendoper „Mitridate, Re di Ponto“ wurde daran erinnert, dass der Komponist zur Eröffnung der Mailänder Opernsaison 1770 noch der spätbarocken Opera seria huldigte.

Zehn Jahre später wurde Conradin Kreutzer geboren, der Johann Ludwig Uhlands Gedicht „Das Mühlrad“ vertonte; wie auch „Das Alphorn“ von Richard Strauss von Susan Zarrabi mit ihrem klangschönen Mezzosopran vorgetragen, wobei Joan Bernat Sanchis (Horn) und Naomi Schmidt (Klavier) mit ihren Farben zur Wald-, Wild- und Flussromantik beisteuerten.

Herz und Ohren beglückte Tenor Kieran Carrel mit Franz Schuberts „Auf dem Strom“; Naomi Schmidt ließ mit perlenden Läufen den Verliebten im Strom des Lebens immer weiter von dem Ufer forttragen, wo dieser seiner Liebsten begegnet war.

Gesangstrio

Wie ein Echo auf den verlorenen Ort der Sehnsucht begleitete Hornist Manuel Escauriaza den Dialog zwischen Klavier und Gesangsstimme. Blitze zuckten, und Gewitterböller lenkten alle Aufmerksamkeit auf das Gesangstrio mit Julian Prégardien, Anna-Lena Elbert, und Kieran Carrel (Tenor), die Schuberts „Kantate zum Geburtstag des Sängers Michael Vogt“ mit einer feinen Prise Ironie zu Gehör brachten.

Joan Bernat Sanchis bewältigte bei Mozarts einzigem Hornquintett selbst schnelle 16tel Läufe mit Oktavsprüngen bravourös.

Sprudelnd die Dialoge mit dem „Quartet Berlin-Tokyo“, wobei Ruiko Matsumoto mit dem Violoncello ideal die mitteltiefe Klangfarbe des Horns ergänzte. Noch tiefer wäre es mit Beethovens Hornsextett Es-Dur op. 81b mit einem Kontrabass gegangen, doch beim Mozartfest blieb es beim reinen Sextett, das die freundlich-heitere Grundstimmung von Mozarts Quintett aufzugreifen vermochte.