Kultur

Umstrittene Zeichen

Herrscht nun wieder Ordnung? Mit der Bekanntgabe von gleich zwei Nobelpreisträgern für Literatur beweist die Schwedische Akademie Handlungsfähigkeit. Die vornehmste Pflicht erfüllt das altehrwürdige Gremium also wieder, das zuletzt in Teilen so gar nicht ehrenhaft erschienen ist. Alles gut mithin? Über die neuen Träger der höchsten literarischen Weihen lässt sich wie so oft auch streiten.

Der Österreicher Handke galt seit langem als Kandidat. Dass er einen eigenen, bedachtsamen Stil pflegt und große literarische Verdienste erworben hat, wird keiner bezweifeln. Viel Kritik haben freilich seine pro-serbischen Stellungnahmen provoziert. Am Grab des Despoten Slobodan Milosevic, der kurz vor einer absehbaren Verurteilung als Kriegsverbrecher gestorben war, hielt er gar eine Rede und erntete dafür vor allem eines – Widerspruch. Inzwischen ist aber einigermaßen Gras über die Sache gewachsen; Handke wird wieder vor allem als Autor wahrgenommen. Und als solcher hat er seit mehr als 50 Jahren Bedeutsames geleistet und ein unverwechselbares Werk geschaffen.

Und Olga Tokarczuk? Ihre Kür bestätigt auch, dass Polen nach wie vor eine bedeutende Literaturszene besitzt, von der zuvor vor allem die Lyrik ausstrahlte. Breite Bekanntheit wird man der Prosaautorin Tokarczuk (noch) nicht bescheinigen, was kein Nachteil ist – und bei Nobelpreisträgern häufiger mal vorkommt. Die Doppelvergabe könnte freilich dazu führen, dass die „politischere“ für Handke diejenige an die Polin in den Schatten treten lässt. Dass eine weibliche Preisträgerin gekürt werden würde, war vermutet worden – schon deshalb, weil der Skandal um Akademie-Mitglied Frostensen und ihren inzwischen verurteilten Ehemann im Zuge der Metoo-Debatte ans Licht gekommen ist.

Merkwürdig mutet an, dass der 76 Jahre alte, weltbekannte Handke für 2019 geehrt wird und Tokarczuk fürs vergangene Jahr, denn die Wahl der unbekannteren 57-Jährigen wirkt ja viel eher zukunftsweisend. Insgesamt folgt die Sache aber geläufigen Mustern: Mal kommt ein hochverdienter Literaturstar zum Zuge, dann wieder jemand, der diesen Status noch nicht erreicht hat – oder trotz des Preises nie erlangen wird. Die in Teilen neu besetzte Akademie ist also offenbar bemüht fortzusetzen, was sich bei der alten bewährt hatte.

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