Kultur

Mainfranken Theater Würzburg Regisseur Dominik von Gunten inszeniert das Drama „Der Weibsteufel“ als intensives Kammerspiel

Ungemein fesselndes Psychogramm

Zu den erfolgreichsten Dramen des Tirolers Karl Schönherr gehört sein 1915 in Wien uraufgeführtes Drama „Der Weibsteufel“, das Regisseur Dominik von Gunten jetzt für das Mainfranken Theater Würzburg als intensives Kammerspiel inszenierte.

Bühnenbildnerin Karlotta Mathhies verlegt das Geschehen aus einer Bauernstube in einer abgelegenen Gebirgshütte im Grenzgebiet von Tirol und Bayern in ein überdimensionales Vogelnest.

Dort entfaltet sich eine psychologisch raffiniert gestrickte Dreiecksgeschichte in knappen, kantigen Szenen.

Ein ungleiches Paar

Die Frau, der Mann und der Jäger, mehr Namen wollte Schönherr seinen drei Protagonisten nicht geben. Gesprochen wird in einer unverstellt-rauen, die innersten Gefühle umso stärker offenbarenden Kunstsprache, angenähert an den Tiroler Dialekt.

Das fesselnde Psychogramm lockert das Trio mit vom Akkordeon begleiteten, das Lokalkolorit unterstreichenden Liedern auf.

Der Mann und vor allem sein Weib träumen von einem Leben im eigenen Haus am städtischen Marktplatz.

Es ist ein ungleiches Paar: Er ist ein schwächlicher, chronisch hustender, dabei mit allen Wassern gewaschener Schmuggler, der seinem attraktiven Weib nur noch mit seinen Geldbündeln aus Schmuggelgeschäften zu imponieren vermag.

Als der gewiefte Mann erfährt, dass ein junger karrierebewusster Grenzjäger dienstlich seine Frau aushorchen soll, dreht er den Spieß um:

Er überredet seine Frau, dem Jäger schöne Augen zu machen, um noch rasch und ungestört mit seinen Kumpanen die im Keller versteckte Schmuggelware an den Mann bringen zu können.

Doch statt zum Köder der Männer zu werden, entfaltet die zunächst bieder-harmlos wirkende Ehefrau ungeahnte Anziehungskraft, verführt den Jäger und will sich ohne Skrupel mit seiner Hilfe von den ehelichen Fesseln befreien. „Mich fangt’s nimmer ein“, ruft sie entschlossen.

Der Plan des Schmugglers scheitert fatal; zu spät erkennt der sonst so hellwache Mann den mörderischen Plan seiner Frau.

Befreit vom ungeliebten Ehemann und von dem als Werkzeug missbrauchten Geliebten, der als Mörder fliehen muss, triumphiert der Weibsteufel, dem am Ende das Haus am Marktplatz allein gehört.

Von Anfang an mächtig unter der Oberfläche brodeln lassen es Julia Baukus als zierlicher Weibsteufel, Bastian Beyer als ihr kränklicher, nur auf Schmuggelgeschäfte versessener Mann und Cedric von Borries als unerfahrener, vom Ehrgeiz getriebener vitaler Grenzjäger.

Die Wandlung einer Frau

Die Wandlung der scheinbar biederen Ehefrau mit begrenztem Horizont zur kühl-berechnenden „femme fatale“ als brodelnder Vulkan, in dem der Grenzjäger und ihr Mann den Boden unter den Füßen verlieren, spielt Julia Baukus mit stetig wachsender Emotionalität.

Ihr mühsam unterdrückter, bisher nicht erfüllbarer Kinderwunsch und ihr ungestilltes Verlangen nach Selbstverwirklichung lassen sie alle moralischen Schranken durchbrechen.

Statt plumper Annäherung bringt Julia Baukus mit wenigen Andeutungen und eher spröden Gesten den Grenzjäger um den Verstand.

Denn sie verkörpert eine Frau, die sich vor allem deshalb radikal emanzipiert, weil sie nicht mehr bereit ist, als Spielball der beiden Männer zu dienen.

Hier der Mann, der sie auf den Grenzjäger ansetzt, um seine Schmuggelgeschäfte zu Ende zu bringen, dort der Grenzjäger, der sich der Frau nur nähern will, um den Schmuggler zur Strecke bringen zu können.

Cedric von Borries überzeugt als eher gutmütiger Kraftprotz mit rauer Schale und weichem Kern, der in einem Strudel der Leidenschaften versinkt, obwohl er treffend seine Situation als „Tanzbär mit der Kette am Nasenring“ zu beschreiben weiß.

Lang anhaltender Applaus

Bastian Beyer gibt einen eher unsensiblen, trotz seiner Schwächlichkeit ganz auf seine Rolle als Patriarch bedachten Ehemann, für den seine Schmuggelgeschäfte über den Empfindungen seiner Frau stehen.

So eindimensional diese Rolle erscheint; Bastian Beyer trifft mit seinem von Selbstzweifeln ungetrübten Überlegenheitsgefühl den Kern dieses von Grund auf egoistischen Geschäftemachers, dem folgerichtig der Blick auf den von ihm selbst eingeleiteten Untergang völlig verstellt ist. Umso unverstellter war der langanhaltende Beifall des Premierenpublikums.