Kultur

Zeitraumexit Leiter Jan-Philipp Possmann stellt neues Programm vor

Ungeschriebenen Gesetzen zum Trotz

Zum Abendbrot bei Kerzenschein hat der Zeitraumexit geladen, um zu zeigen, dass es als Kultureinrichtung mit festem Spielplan zurück ist. Denn in den vergangenen neun Monaten entschied dort im Projekt „Artfremde Einrichtung“ nicht der künstlerische Leiter des Hauses, Jan-Philipp Possmann, über das Programm, sondern Mannheims Bürger.

Monatlich wechselnd und nach basisdemokratischer Entscheidung durften die Räume für alles genutzt werden: Zwei Teenager starteten etwa ein Projekt, in dem man gemeinsam ein Theaterstück erarbeitete, oder ein Team entwickelte den Ikosaeder, ein Schutzraum für Obdachlose. Das ist Kunst also im offensten Sinne, kann sich doch so die ganze Stadtgesellschaft in einen künstlerisch-schaffenden Prozess einbringen.

„Man merkt erst da, wie schwierig es ist, sich von bestimmten, verinnerlichten Regeln abzulösen“, sagt Stephanie Staib, Sprecherin des Zeitraumexits. „Doch das trägt zum Verständnis des politischen Prozesses bei: Warum dabei oft nur ein Kompromiss herauskommt.“ Denn das Arbeiten auf neuem Terrain ist so einfach nicht. Auch darum geht es immer wieder bei dem für jeden offenen Abendbrot, die regelmäßig stattfindende „Stulle mit Aussicht“, bei der das kommende Monatsprogramm des Zeitraumexits besprochen wird.

Zeitraumexit-Leiter Possmann und sein Team luden dafür nun den neuen Schauspielintendanten des Nationaltheaters Christian Holtzhauer ein, der seine Chef-Dramaturgin mitbrachte. Einziger Gast und dabei nicht so artfremd ist da nur ein Mitglied des Kulturparketts, der Verein für den Kulturpass. Die kulturellen Sternchen Mannheims sitzen an einem Tisch, ist man geneigt zu sagen, und die Gespräche drehen sich daher schnell und eloquent und gehen oft ins Informelle. Um den Weimarer Garten Holtzhauers geht es da, um Theaterästhetiken, Schiller oder um die gesellschaftliche Öffnung des Theaters.

Festival zum Thema Sterben

Der Zeitraumexit setzt da jetzt und im kommenden Monat auf Performance in der Multihalle im Herzogenriedpark: mit Kino, Hörspiel-Installationen und einem Tanz-Performance-Parcours dieses Wochenende, 7. und 8. Juli. Auch der Winter sei schon geplant. „Wir werden ein Themenfestival zum Thema Sterben machen“, sagt Possmann und beißt ein Stück von einer getrockneten Feige ab. „Es wird den Titel ,Endlich’ haben.“ Dafür arbeite man mit Hospizen und Palliativ-Einrichtungen zusammen. „Das Sterben ist ein universelles aber tabuisiertes Thema. Das kann Leute noch aufregen.“

Im Theater, da sind sich alle einig, müsse sich die Breite der Stadtgesellschaft widerspiegeln. Doch wie das geht, ist ein langer Prozess des Ausprobierens. Ein Abend mit Brot und Wein, das mag ein Anfang sein.