Kultur

Mozartfest Würzburg Ensemble Les Vents mit überzeugender Darbietung im Kaisersaal der Residenz

Ungewöhnlich reizvolle Klangfarben geboten

Archivartikel

Ob das Ensemble Les Vents Français beim Mozartfest am Sonntag im vollbesetzten Kaisersaal der Würzburger Residenz für seine Interpretation des Quintetts für Oboe, Klarinette, Horn, Fagott und Klavier Es-Dur von Wolfgang Amadé Mozart den „ausserordentlichen beyfall“ wiederholen konnte, über den der Komponist 1784 nach der Uraufführung im Burgtheater Wien schrieb, ist über 200 Jahre später nicht mehr aufzuklären. Doch ausgiebig war der Applaus beim fünften Konzert des diesjährigen Festivals ohne Zweifel und machte nachvollziehbar, warum Mozart selbst das Quintett für sein bisher bestes Werk hielt.

In allen vier Sätzen dominierte nicht etwa Pianist Éric Le Sage, sondern er bereitete den Boden für eine Balance von betörender Klanglichkeit mit dem Flötisten Emmanuel Pahud, dem Klarinettisten Paul Meyer, Gilbert Audin (Fagott) und Radovan Vlatkovic (Horn); alles ausgewiesene Meister ihres Instruments.

Melodische Bögen

Kaum begann etwa die Flöte mit zwei, drei Takten den Dialog, übernahm die Klarinette und gab rasch die Führung weiter. Selbst das Klavier ordnete sich unter; es waren ungemein melodische Bögen, die vor allem bei den Kantilenen der Bläser die Zuhörer beglückten. Im Larghetto kulminierte der vollendete Eindruck, den das Quintett bei den langsam strömenden, farbenreichen Melodien hinterließ. Im Finalsatz setzten in der Kadenz nacheinander die Bläser und schließlich das Klavier im dialogischen Miteinander nahtlos ein. Ergreifende Momente im Kaisersaal, in denen Zeit und Raum sich aufzulösen schienen.

Beifall der ganz besonderen Art gab es zwölf Jahre nach dem Selbstlob von Mozart in seinem Schreiben an den Vater, als Ludwig van Beethoven sein Quintett op.16 in der gleichen Besetzung, Tonart und Satzfolge komponierte. Ein Jahr später schuf Beethoven Ende 1797 – fast wie ein respektvoller Nachruf für den 1791 verstorbenen Mozart – einen Variationensatz über das Duett zwischen Don Giovanni und Zerlina „La ci darem la mano“ aus der zehn Jahre zuvor uraufgeführten Oper.

Ohne Klavier und Horn beleuchtete das Trio Emmanuel Pahud, Paul Meyer und Gilbert Audin eine der schönsten Opernmelodien Mozarts mit ungewöhnlich reizvollen Klangfarben. Es geht schließlich in der Oper für Don Giovanni um den entscheidenden Moment, mittels betörender Melodien das Bauernmädchen Zerlina zu verführen.

Virtuoses Finale

Einen beschwingten Konzertauftakt mit einem virtuosen Finale bot Les Vents Français mit der Tarantelle für Flöte, Klarinette und Klavier op. 6; angelehnt an den Rhythmus des aus Süditalien stammenden Volkstanzes.

Kontrastreich beschloss Les Vents Français den anregenden Abend mit dem schwermütigen Trio pathétique für Klarinette, Fagott und Klavier d-Moll des russischen Komponisten Michail Glinka und mit Rimski-Korsakows dreisätzigem Quintett für Flöte, Klarinette, Fagott, Horn und Klavier B-Dur; einem eher tänzerisch-leicht vorgetragenen Werk mit einem tiefromantischen Hornsolo im langsamen Mittelsatz.

Das Ensemble „Les Vents“ entfachte im Kaisersaal der Residnez Winde, die Wolken am Himmel auftürmen ließen, dann rasch wieder zu vertreiben vermochten, die Blätter zum Tanzen brachten und das Schiff so steuerten, dass sich die Segel fünf reizvoller Kompositionen voll aufblähten.