Kultur

Pop Malia und das Duo BRTHR bereichern Das Vereinsheim

Unterschiede überstrahlt

Dieser Abend in der ausverkauften Alten Feuerwache bringt das Außergewöhnliche an der multimedialen Konzertreihe Das Vereinsheim auf den Punkt: Nicht nur, dass acht Musiker, die sich teilweise nie gesehen haben, binnen weniger Tage ihr Repertoire so zusammenbringen, das fünf nahezu perfekte Auftritte in vier Städten gelingen. Diese Qualität überstrahlt auch die Unterschiede zwischen den Gästen der Grundformation Tommy Baldu (Drums), David Maier (Gesang), Nico Schnepf (Tasten), Haegar (Visuals) und Rouven Eller (360-Grad-Sound).

Gäste aus London und Los Angeles

Die waren beim Abschluss in Mannheim enorm: Das Stuttgarter Duo BRTHR setzt auf fein gesponnenen Country-Blues, als wären Joscha Brettschneider und Philipp Eißler J.J. Cales Enkel. Während ihre Interpretationen angenehm in sich ruhen und trotzdem vom Vereinsheim-typischen Groove profitieren, kann die Londoner Sängerin Malia trotz leichtem grippalem Raureif auf der Stimme ihr Temperament kaum zügeln.

Mit „Hope“ fängt sie folkig-ruhig an und klingt wie ihr Vorbild Nina Simone, „I Feel It Like You“ macht die aus Malawi stammende 41-Jährige im Stil einer modernen Shirley Bassey zum Höhepunkt der Show. Wie kreativ diese Stile und das eigene Vereinsheim-Material auf einen Nenner gebracht werden, beeindruckt nachhaltig. Zusammenspiel und -klang sind hier wichtiger als Interpreten-Egos und sogar die Songs.

Der aus Los Angeles eingeflogene Gitarrenklangmagier Arthur Erhardt (früher Braitsch) mit dem Instrumental „Heimat“ und der wilde Rocker „Let It Grow“ von Bassist Paucker komplettieren das perfekt austarierte Programm im Wohnzimmer-Ambiente. Mit den beiden sitzt seit einer gefühlten Ewigkeit mal wieder die Vereinsheim-Urformation auf der Rundbühne. Ganz rund machen den Abend Maiers lakonische, fast kabarettreife Moderationen. Schon sein leiser Gruß an den kurzzeitigen FDP-Ministerpräsidenten Thüringens erntet massive Lacher: „Hi Mannheim. Schön, dass ihr da seid. Wir nehmen die Wahl an.“

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