Kultur

Nachruf Hans-Joachim Gelberg stirbt mit 89 Jahren / Als Verleger des Weinheimer Beltz Verlages gab er namhaften Jugendliteratur-Autoren eine Heimat

Unverstellter Blick auf die Wirklichkeit des Kindes

Archivartikel

Worte von Bedeutung kamen für Hans-Joachim Gelberg aus dem Herzen. Bei Lesungen gab er ihnen seine Stimme hinzu, folgte traumwandlerisch dem Sprachrhythmus und ließ den Zuhörer am Genuss von Literatur teilhaben. Der bekannte und vielfach ausgezeichnete Verleger von Kinder- und Jugendliteratur verstarb am Sonntagabend im Alter von 89 Jahren.

Von Härtling bis Janosch

„Nirgendwo wird die menschliche Krankheit dieser Welt, die Dummheit – und darunter verstehe ich Herzenskälte und Raffsucht – so heftig bekämpft wie in der fantasiereichen Kinderliteratur.“ Das sagte Gelberg 1997 bei der Präsentation seines zehnten und letzten Jahrbuchs der Kinderliteratur. Ab 1971 bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1997 hatte er als Verleger im Hause Beltz & Gelberg die deutschsprachige Kinder- und Jugendliteratur maßgeblich mitgeprägt. Für sein erstes Jahrbuch, in dem er kontinuierlich Autoren und Illustratoren zusammenbrachte und Wege der Literaturgattung aufzeigte, erhielt er 1972 den Deutschen Jugendbuchpreis.

Von da an war der Name Gelberg ein Begriff, die orangefarbenen Ausgaben der Beltz & Gelberg-Reihe wurden bundesweit zu einem Markenzeichen und fehlten in fast keinem Kinderzimmer. Anfangs erschienen pro Jahr acht Titel, 1996 waren es rund 900. Dazu trugen namhafte Autoren bei, zu denen Gelberg einen persönlichen Kontakt pflegte und die er zum Teil entdeckte und förderte. Mit Peter Härtling war er ebenso verbunden wie mit Christine Nöstlinger, Mirjam Pressler, Klaus Kordon oder Janosch.

Hans-Joachim Gelberg hatte ein untrügliches Gespür für Qualität von Literatur und für die Haltung von Autoren. Der gebürtige Dortmunder war ein leidenschaftlicher Sammler von Worten. Im Ruhestand gab er in seinem Heimatort, dem Weinheimer Stadtteil Lützelsachsen, seine Begeisterung für Sprache und Rhythmus bei Lesestunden an Grundschüler der nach ihm benannten Hans-Joachim-Gelberg-Schule weiter. „Sprachvertrauen ist der erste Schritt zur Poesie“, lautete einer seiner Leitsätze.

Geboren wurde Gelberg am 27. August 1930. Zwischen 1947 und 1950 absolvierte er in Dortmund eine Buchhandelslehre bei Borgmann. Im Jahr 1964 wurde er Lektor im Würzburger Arena Verlag. Dort erschien seine erste Lyrik-Anthologie „Bunter Kinderreigen“. Zwischen 1971 und 1997 war er verantwortlicher für das Kinder- und Jugendbuchprogramm Beltz & Gelberg im Beltz Verlag in Weinheim. Auf den Deutschen Jugendbuchpreis 1972 folgten zahlreiche weitere Auszeichnungen: 1990 der Buchpreis der Deutschen Umweltstiftung, 1997 der Volkacher Taler der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur, 2000 das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst, 2001 der Bologna Ragazzi Award sowie 2004 der Friedrich-Bödecker-Preis.

Auch Erwachsene inspiriert

Gelberg richtete seinen unverstellten Blick auf die Wirklichkeit kleiner und junger Leser. Dafür fand er Autoren von Format, die Gelbergs literarische Botschaft mittrugen und mit seinem verlegerischen Erfolg verbunden sind. Nicht wenige der von ihm verlegten Kinder- und Jugendbücher haben Erwachsenen die Augen für das Empfinden ihrer Kinder geöffnet.

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