Kultur

Geburtstag Die nordirische Songwriter-Ikone Van Morrison wird 75 Jahre alt und präsentierte sich zuletzt 2018 beim Open Air in Schwetzingen gut aufgelegt wie selten

Unwirsch, aber unermüdlich hochklassig

Archivartikel

Van Morrison gilt vielen als der größte weiße Soul- und R&B-Sänger überhaupt. Auch mit 75 Jahren ist der nordirische Musiker mit der einmaligen Stimme und 41 Solo-Platten im Regal ein echter Workaholic. Vor seinem Geburtstag am 31. August überraschte er mit einer kurzfristigen Konzertankündigung. Anfang September will der Sänger an zwei Abenden in London auftreten – vor reduziertem Publikum und mit Mindestabstand, versteht sich. Auch nach über 50 Jahren im Geschäft hat der Musiker keine Lust, musikalisch kürzer zu treten. Allein in den letzten fünf Jahren veröffentlichte er stolze sieben Alben. Darunter absolute Meilensteine wie „You’re Driving Me Crazy“ (2018) mit der Band des Jazz-Organisten und Trompeters Joey DeFrancesco.

Spürbar beflügelt von dieser brillant swingenden Zusammenarbeit verschaffte der auf der Bühne meist unwirsche und völlig wortkarge Morrison seinen Fans bei der Reihe Musik im Park am 2. August 2018 ein kaum zu erwartendes Erlebnis: Trotz drückender Hitze legte er im Schwetzinger Schlossgarten nicht nur ein gewohnt hochklassiges Konzert hin, sondern kam nahezu ins Plaudern, forderte die Zuhörer vor seinem Klassiker „Wild Night“ in Entertainer-Manier zum Tanzen auf und hüpfte vor Vergnügen. Kurz ...

Im März hatte der zuletzt extrem produktive Morrison in einem seiner seltenen Interviews der Zeitung „The Independent“ gesagt, er werde „langsam etwas faul“. Eine wahrnehmbare längere Pause gab es für ihn kaum, seit sein Vater dem damals Elfjährigen eine Gitarre kaufte. Mit zwölf Jahren gründete Morrison, der am 31. August 1945 in Belfast geboren wurde, seine erste Band.

Erst Instrumente, dann Gesang

Nach der Gitarre lernte er Saxofon. Später kam der Gesang. „Ursprünglich war ich gar kein Sänger, aber niemand anders konnte singen“, sagte Morrison. Zu seinen Vorbildern zählten legendäre Künstler wie Mahalia Jackson, Ray Charles und Muddy Waters genauso wie Hank Williams. Aber Morrison war klar: „Niemand will eine Kopie von einer Kopie, man muss der Musik seinen eigenen Stempel aufdrücken.“

Auf die musikalische Entwicklung des jungen George Ivan Morrison hatte auch die riesige Schallplattensammlung des Vaters maßgeblichen Einfluss. Von Blues, Gospel und Jazz bis zu Folk und Country – so ziemlich jedes Genre, das er sich später als Künstler zu eigen machte, lief damals in seinem Elternhaus auf dem Plattenspieler. Die Schule beendete Morrison ohne Abschluss. Sein Geld verdiente er erstmal als Fensterputzer. Doch schnell trug sein musikalisches Talent erste Früchte. Mit der Band The Monarchs tourte „Van The Man“ schon als Teenager durch Deutschland. Später gelangen ihm mit der von ihm gegründeten Band Them in zwei Jahren einige Hits, darunter „Here Comes The Night“, „Mystic Eyes“ und die Coverversion des Bluesklassikers „Baby, Please Don’t Go“. Deren B-Seite „Gloria“ wurde ein Überraschungserfolg.

Nach der Trennung von Them kam Morrisons Solokarriere schleppend in die Gänge, obwohl er mit „Brown Eyed Girl“ (1967) einen Hit hatte. Sein erstes Soloalbum „Blowin’ Your Mind!“ erschien ohne Morrisons Wissen. Und vor der Veröffentlichung von „Astral Weeks“ (1968) war der junge Sänger fast pleite. Die progressive Mischung aus Folk, Jazz und Soul klang zwar völlig anders als das launige „Brown Eyed Girl“, doch sie wurde ein Erfolg. „Astral Weeks“ gilt als wegweisend. Der Millionenseller „Moondance“ machte ihn zwei Jahre später endgültig zum Star. Fortan produzierte er Album auf Album. Von Faulheit keine Spur. 

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