Kultur

Pop Gitarrist Walter Trout im Bensheimer Musiktheater Rex

Urkraft des Bluesrocks

Von der alten Garde verehrt, von den Jungen respektiert: Es gibt nicht mehr allzu viele Bluesmusiker von dem Format Walter Trouts. Allein die Gästeliste seines Kollaborationsalbums „We’re All In This Together“ spricht Bände: Stars wie John Mayall, Edgar Winter, Charlie Musselwhite oder Randy Bachman spielen darauf mit. Garniert von aktuellen Bluesrock-Stars wie Warren Haynes, Eric Gales und Joe Bonamassa.

„Kampfnarben“ nach Leber-OP

Eine Platte, mit der Trout auch die Leiden der vergangenen Jahre verarbeitet hat. Nach einer Lebertransplantation im Jahr 2014 ist er seit Herbst 2015 wieder auf Tour. Weil der 67-Jährige nicht ausreichend versichert war, musste die Operation durch eine großangelegte Spendenaktion finanziert werden. Doch die Narben – wenigstens die körperlichen – scheinen verheilt. „Battle Scars“, Kampfnarben, titelte das damalige Album.

Der Bluesrock-Feinschmecker aus New Jersey spielte bei Größen wie John Lee Hooker und John Mayall, bevor er 1989 seine eigene, nach ihm benannte Band gründete. Mit einem der ersten Stücke in Bensheim huldigte er einem anderen Dino des Genres: B. B. King. Im Mai 2015 gestorben, schickte ihm Trout eine Botschaft in den Himmel. „Say Goodbye To The Blues“ ist für Trout auch ein Besinnen auf die eigenen Wurzeln, wie er im Rex betont.

Messerscharfe Soli

Es sind die energiegeladenen Stücke wie „Almost Gone“, das neue „Gonna Hurt Like Hell“ oder das Luther-Allison-Cover „I’m Back“, die das Publikum aufreiben und in denen der Musiker seine Lebensgier regelrecht hinausschreit. Die famos eingespielte Band tickt wie ein Uhrwerk. Sammy Avila am Keyboard reichert den rockigen Blues-Sound mit seiner markanten Hammond-Orgel an. Drummer Michael Leasure donnert aus dem Hintergrund, Bassist Danny Avila (Sammys Sohn) sorgt für die vibrierenden Tieftöne. Und Trout schreit sich die Seele aus dem geschundenen Leib. Die Songs sind eine Chronik der Alpträume und ein Aufschrei des Lebens. Heute spielt er besser denn je. Authentischer Straight-up-Blues mit Texten, die durch den Ritt auf der Klinge umso intensiver, intimer und ehrlicher klingen.

Messerscharfe Soli, erdiges Bluesfeeling und knallharte Countryrock-Klänge wechseln sich ab mit getragenen Stücken, die den Musikern viel Raum für filigranere Ausflüge lassen. Statt Melancholie dominieren Vitalität und Dynamik. Trouts Stimme hat während seiner krankheitsbedingten Bühnen-Abstinenz kaum Schaden genommen. „Got A Broken Heart“, singt er im Rex, das ihm zu Füßen liegt. Mit dem gefühlvollen „Love In Vain“ kommt ein Cover von Robert Johnson, das schon die Stones 1969 auf „Let It Bleed“ zelebriert haben. Damals war Trout 18 Jahre alt. tr