Kultur

Musik im Park Beim zweiten ausverkauften Abend der Schwetzinger Reihe liefern Van Morrison und Band ein Weltklassekonzert

Van Morrison groovt federleicht und kraftvoll zugleich

Schwetzingen.Zweiter Teil der Legendenrallye bei Musik im Park: Der nordirische Altmeister Sir Van Morrison blickt wie bereits US-Folkikone Joan Baez auf ein ausverkauftes Areal im Schwetzinger Schlossgarten. Nur sind die wiederum 4400 Zuschauer noch deutlich enthusiastischer als am teilweise verregneten Vorabend. Das liegt natürlich in erster Linie an den diesmal perfekten Open-Air-Bedingungen in den von hohen Hecken schnell beschatteten Sitzreihen, aus denen die Hitze allmählich entweicht. Aber auf den Stühlen hält es die Fans ohnehin nicht lange: Denn der 72-jährige "Belfast-Cowboy" und seine sechs Musiker liefern nicht weniger als eine Weltklasse-Show.

Denn ihnen gelingt das Kunststück, federleicht groovend und enorm kraftvoll zugleich zu spielen. Dazu kommt ein fast idealtypischer Sound, wie man ihn bei Freiluftkonzerten selten hört und der jede noch so leise, delikate Feinheit der detailreichen Arrangements differenziert zur Geltung bringt. Das lohnt sich vor allem bei Paul Morans Orgeleinsprengseln sowie seinem gern zweistimmigen Zusammenspiel als Trompeter mit Morrison am Saxophon. Dazu brilliert Dana Master mit eindrucksvollem Soulgesang, die bei "Whenever God Shines His Light" den eigentlichen Duettpartner Cliff Richard vergessen lässt. Dazu kommt das perfekte, messerscharf abgestimmte Zusammenspiel von Schlagzeuger Mez Clough, Bassist Paul Moore sowie Percussionistin Teena Morcombe. Auch Gitarrist David Keary agiert unter dem Diktat von "Van the Man" wohldosiert und songdienlich. Aber der Altmeister der Songwriter-Gilde lässt seinen Musikern auch Spielraum für kurze und lange Soloeinlagen, die immer wieder Szenenapplaus ernten.

Fünf Konzerte auf einmal

Zur großen Begeisterung des spürbar fachkundigen Publikums trägt die Vielfalt des knapp hundertminütigen Abends bei: Es gibt im Prinzip fünf Konzerte zum - mit bis zu 100 Euro nicht ganz unbescheidenen - Preis von einem: mit Blues, mystisch aufgeladener Soul, (Country)-Rock, etwas Pop und viel Jazz. Morrison beginnt gleich wunderbar swingend mit drei Nummern aus dem Kontext der vier (!) Alben, die er seit 2017 veröffentlicht. Schnell ist zu merken: Die enorme Spielfreude vom jüngsten Werk "You Drive Me Crazy" setzt sich auf der Bühne nahtlos fort, obwohl die daran beteiligten Topjazzer um Startrompeter Joey DeFrancesco in Schwetzingen gar nicht auf der Bühne stehen.

Der Faktor Spaß setzt dem Abend das Sahnehäubchen auf: Denn normalerweise ist gegen Van Morrison sogar der gern unwirsche Bob Dylan im Konzert eine echte Stimmungskanone. Von heftigem Lampenfieber geplagt, gibt sich der knorrige Nordire auf der Bühne oft unkommunikativ bis extrem grantig. Aber im Schlossgarten harmonieren Kulisse, Fans, Band, Klang und die eigene Leistung derart, dass er über einen besonders gelungenen Schlussakzent sogar vor Freude lachen muss. Und vor dem mitreißenden Klassiker "Wild Night" animiert er das Publikum regelrecht: "Wir haben nichts dagegen, wenn Ihr tanzt" - dreht sich um und ruft der Band zu: "What a Night!" (Was für eine Nacht). Altgediente Fans können da nur staunen - und tanzen.

Ohne die Bühnenangst und diesen, man könnte es fehlenden Willen zur branchenüblichen Star-Ausstrahlung nennen ("Ich gehe nicht auf Tour, ich spiele jede Woche zwei Auftritte"), wäre der nordirische Weltstar vermutlich eine noch größere Nummer. Denn als Songwriter können ihm eigentlich nur Dylan, Leonard Cohen und Lennon/McCartney ernsthaft das Wasser reichen. Das belegt der unfassbare Katalog des einstigen Them-Frontmanns mit allein 39 Studioalben seit Start seiner Solokarriere im Jahr 1967 - auf denen man kaum Stücke findet, die nicht mindestens gut sind. Und deren Spiritualität und fast therapeutische Wirkung klar machen, dass hinter der knurrigen Fassade mit Sonnenbrille, schwarzem Anzug und Hut ein Humanist steckt, der sich einfach nur in seinen Liedern mitteilen möchte.

Das gelingt an diesem Abend wie selten, nicht nur bei den einschlägigen Titeln wie "Magic Time", "Moondance", "Sometimes We Cry", "Carrying A Torch" und dem besonders hörenswert umarrangierten "Real Real Gone". Denn kaum ein Besucher verlässt das Gelände nach einer epischen Version des Them-Hits "Gloria" und ausgedehnter Jam-Session der Band ohne ein Strahlen im Gesicht. Und Tom Jones, der Tiger von Wales, wird es am Samstag an gleicher Stelle nicht ganz leicht haben, den "Löwen aus Belfast" auszustechen.

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