Kultur

Lesen.Hören Autor Michael Lentz trifft Maler Michael Triegel

Vereint im Grundsatz des Zweifelns

Archivartikel

Wenn die Programmverantwortliche Insa Wilke diesen Abend beim Mannheimer Festival Lesen.Hören als einen „ganz besonderen“ ankündigte, dann hat sie nicht zu viel versprochen. Hier trafen sich zwei Freunde in der Alten Feuerwache, die nahezu besessen sind von ihrem künstlerischen Schaffen. Der Autor Michael Lentz schöpft aus den Bildern großer Meister, der Kunstmaler Michael Triegel aus den Büchern bedeutender Schriftsteller – ein kongeniales Paar, das sich vereint im Zweifel an der Existenz Gottes in seiner, meinen sie, kaum nachvollziehbaren Trinität.

Eigentlich soll es um das jüngste Buch von Michael Lentz gehen, in dem er nach seinem berührenden „Muttersterben“ nun in „Schattenfroh“ mit seinem Vater abrechnet. In einem leeren Raum eingesperrt, öffnen sich dem Ich-Erzähler Bilder, die in ihm Erinnerungen an die Kindheit in seinem Geburtsort Düren wachrufen. Eine Gestalt erscheint und befiehlt ihm, zu schreiben. Und er schreibt auf 1007 Seiten über Leben und Tod, Schmerz und Leere – ein surrealer Text, dem der Leser nur schwer gewachsen ist.

Doch er spricht real existierende Bilder an und verknüpft sie wortgewaltig mit seinen Kindheitserinnerungen, sieht Hieronymus Boschs „Garten der Lüste“, Matthias Grünewalds Isenheimer Altar vor sich – und auch Werke Michael Triegels.

Eigene Interpretationen

Auf eine Leinwand projiziert, begleiten sie die Lesung dieses Abends und belegen die Bedeutung dieses Vertreters der Neuen Leipziger Schule, der zwar vielfach im Stil der Renaissance malt, der aber seine eigene neuzeitliche Interpretation in die Bilder mit einfließen lässt.

Sein Flügelaltar, den er in der Dettelsbacher Kirche St. Augustinus gestaltete, und sein vielbeachtetes Bild „Deus Absconditus“ (der verborgene Gott) gaben nicht nur Michael Lentz Anlass zum Nachdenken, sondern auch den vielen Besuchern in der Mannheimer Alten Feuerwache, die diesen Abend den zahlreichen Fasnachtsveranstaltungen vorzogen. Der lange Applaus zeigte, dass es niemand bereut hatte.