Kultur

Lesung Ferudin Zaimoglu im Heidelberger DAI

Verstehe einer die Frauen!

Archivartikel

„Ein literarisches Abenteuer, ein großer Gesang, ein feministisches Manifest: Feridun Zaimoglus Roman ist ein unverfrorenes Bekenntnis zur Notwendigkeit einer neuen Menschheitserzählung – aus der Sicht der Frau“, so vollmundig der Verlag im Klappentext den neuen Roman „Die Geschichte der Frau“ von Ferudin Zaimoglu anpreist, so zurückhaltend wird das Buch von Kritikern aufgenommen. Nun, die stehen ja eh’ im Ruch, per eitler Selbstbespiegelung mehr sich selbst im Blick zu haben als das Objekt ihrer Betrachtung. Doch zwei Einwände könnten gelten, zum einen der formale, er habe nicht wirklich einen Roman geschrieben, der andere: zu wenig Inhalt seitens der Figuren.

Mit der Bibel fängt es an

Wie dem auch sei, während seiner Lesung im Deutsch-Amerikanischen Institut Heidelberg durften sich die überwiegend weiblichen Hörer selbst ein Bild machen über „Die Geschichte der Frau“, wobei der Auftritt für Ferudin Zaimoglu zum Selbstläufer wurde. Angenehm in Stimme und Dialog, sich selbst zurücknehmend (eine subtile Form der Eitelkeit?) und – natürlich – die „Frau“ in den Mittelpunkt rückend.

Anhand zweier von zehn Roman-Figuren, Dienstmagd Lorely um 1799 und Gastarbeiterin Leyla aus den 60ern des vergangenen Jahrhunderts, verdeutlichte er sein Anliegen: Schon in der Bibel würde „Frau“ wenig bis gar nicht erwähnt – Männer singen ihre Heldenlieder, Frau war allenfalls Beiwerk; auch in der Kunst unterdrückt, und so weiter. Zaimoglu aber will die Frau aus ihrem Selbst heraus sprechen lassen, er will als Mann und Autor verschwinden hinter mythischen Frauen und konkreten Frauen, hinter von der Geschichte falsch deklarierten Schicksalen.

Und je intensiver er sich mit dem von Männern geprägten, tradierten Bild der Frau beschäftigte, desto mehr geriet er in Rage und wollte sie selbst zu Wort kommen lassen. Von Antigone bis Valerie Solanas, die auf Andy Warhol schoss. Zaimoglu entwickelt daraus einen feministischen Kosmos. Und die abendliche Bewunderung war ihm sicher.