Kultur

Verwunderung

Archivartikel

Er geht über den Platz. Es sind viele Menschen da. Vor allem an einer Art Minimalhaus mit Rädern unten dran stehen viele. Darin werkeln sie an Wasserhähnen, aus denen aber eine bräunliche Flüssigkeit mit Schaum kommt. Bier? Die Flüssigkeit wird in hauchdünne Gläser abgefüllt, die biegsam sind. Der Krach ist höllisch. Ein periodisches Hämmern, ein Wummern und Kreischen und Ächzen verhindert, dass er den Gesprächen der Leute folgen kann. In seltsamen Melodien singt jemand in einer Sprache, die er nicht versteht. Einige springen dabei von einem Bein aufs andere. Andere wippen mit dem Kopf, als hätten sie ein gesundheitliches Problem. Überall steigt Rauch auf. Die Menschen haben schmale weiße Stängel im Mund, an denen sie obsessiv nuckeln. Alles kommt ihm seltsam vor. Er erinnert sich an den schwarzen Mann, der die verrücktesten Bewegungen zu sehr regelmäßigen Donnerschlägen ausführte, die irgendwo herkamen. War das Tanz? War das Delirium? Er erinnerte sich an die beiden Frauen, die vorgaben, die Hauptmannssöhne Franz und Karl Moor zu sein, und daran, wie Maria (Stuart) und Elisabeth neulich vervielfacht wurden. Es entsetzt ihn nicht. Es amüsiert ihn. Genau wie die Tatsache, dass man sich überhaupt noch mit ihm beschäftigt. Hatte nicht er selbst einmal geschrieben: „Was sich nie und nirgends hat begeben / Das allein veraltet nie!“ Aber die „Stuart“, die „Räuber“ und all das andere – das hatte sich doch begeben. Irgendwo. Irgendwann. Es war demnach also veraltet. Er dreht sich um, liest noch einmal befremdlich seinen Namen, sagt ein „Pah“ und löst sich in Luft auf. Puff … 

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