Kultur

Rückblick Vor 40 Jahren wurde das Ludwigshafener Wilhelm-Hack-Museum eröffnet / Stadt war anfangs nicht begeistert von den Plänen

Viel Aufregung und ein knappes Happy End

Ein Museum zu gründen, wäre heute auch kein Zuckerschlecken. Damals aber wusste niemand, wie die Sache ausgehen würde, die eigentlich damit begonnen hatte, dass der junge Kunsthistoriker Manfred Fath 1968 in Ludwigshafen die seltsame Position eines „Kunstrats“ bekam. Es gab da eine städtische Bildersammlung, die er betreuen und mehren sollte, und vor allem das Mehren besorgte er gründlich.

Als er bei einer Ausstellungseröffnung in der Mannheimer Galerie Margarete Laute im selben Jahr den Kölner Sammler Wilhelm Hack kennenlernte, wurde er von der Utopie gepackt: Ludwigshafen muss ein Museum bekommen! Hack suchte eine Kommune, die ihm und seiner Sammlung eine Heimstatt bieten würde, in Köln hatte man abgewunken, 1969 zeigte Hack seine Schätze in Düsseldorf, aber da wollte man auch nicht. In Ludwigshafen war man entsetzt. Wer etwas so Exotisches wie Kunst brauche, könne ja nach Mannheim in die Kunsthalle fahren. Und wo sollte so ein Gebäude hin? Die schönen Parkplätze, die dafür geopfert würden! Fath hatte fast alle Stadtväter und wohl die meisten Bürger gegen sich, aber ein paar Mitstreiter gab es: vor allem Hans-Jörg Demuth (Kunstvereins-Vorsitzender, Stadtrat und IHK-Präsident), Maler Walter Brendel und Hacks Lebensgefährtin Ruth Huhn, die in Mannheim geboren, in Ludwigshafen aufgewachsen war.

Ohne Spenden ging nichts

Irgendwie ließ sich OB Werner Ludwig darauf ein, die Hack-Sammlung als Stiftung zu akzeptieren, doch eine neue Aufgabe stellte sich. Museum nur bei Drittel-Finanzierung, hieß es jetzt, ein Drittel vom Land, eines von der Stadt, eines von Spendern. Insgeheim rieb man sich wohl die Hände: Ein Drittel von Spendern, damals vier Millionen Mark – das schafft der nie! Aber Fath erwies sich auch jetzt auch als geschickter Motivator von Mäzenen.

Den Architektenwettbewerb 1972 gewann das Stuttgarter Büro Hagstotz und Kraft, 1975 stach der erste Spaten in die Erde – und 1977 starb unerwartet Architekt Walter Hagstotz. Als auch noch das Büro der Technikplanung Pleite machte, sah es düster aus. Aber Karl Maria Sommer (1926-2016), Leiter des Hochbauamtes, sorgte dafür, dass der Bau, der heute noch bezaubert durch seine offenen Ebenen und Durchblicke, 1978 fertig war und die Einrichtung beginnen konnte. Zwischendurch hatte Fath Kontakte nach Barcelona zu Joan Miró geknüpft, nachdem sich heraus gestellt hatte, dass die Südwand völlig ungestaltet bleiben würde. Erneutes Entsetzen in Ludwigshafen: das Geld! Und das Brennen der Kacheln sollte zwei Jahre dauern!

Auch das klappte. Um die Anfangsjahre des Hauses ranken sich noch andere Anekdoten. Den finalen Knacks bekam Faths Verhältnis zur Stadt, als er „unerlaubt“ eine Rhein-Aktion des Künstlers Hannsjörg Voth mitfinanzierte – Fath sah sich mit einem Disziplinarverfahren konfrontiert. Da hatte der mutige Kämpfer genug – 1982 ging er an die Kunsthalle nach Mannheim. Doch mit seinem Nachfolger Bernhard Holeczek bekam „das Hack“ erneut einen visionären Museumsmann.

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