Kultur

Mozartfest B'Rock-Belgian Baroque Orchestra begeistert

Viel musikalische Wonne

Archivartikel

Mit Ausschnitten aus Wolfgang Amadeus Mozarts Sinfonie Nr. 40 g-Moll KV 550 und der Jupiter-Sinfonie Nr.41 C-Dur KV 551 verzauberten das B'Rock-Belgian Baroque Orchestra Ghent unter der Leitung von René Jacobs und die mit allen Wassern der Opernkunst und mit berückender Stimmakrobatik ausgestatteten Sänger Mari Eriksmoen (Sopran) und Johannes Weisser (Bariton) in Arien und Duetten aus La nozze di Figaro KV 492 und der Zauberflöte KV 620 das Mozartfest-Publikum in Würzburg bereits von den ersten Takten an.

Atmosphärisch dicht

René Jacobs hat die Sänger gleichsam auf Händen getragen, und dies in hellwachem Zusammenwirken mit dem Orchester. Sein Mozart klingt historisch informiert, schlank und keinesfalls blutarm. Er musizierte ungemein ausstrahlend, oft atmosphärisch dicht und immer wieder schwebend.

Da blieb viel Platz für musikalische Wärme und Wonne. Ein insgesamt abgerundetes Konzerterlebnis beflügelte die Zuhörer im nicht restlos ausverkauften Kaisersaal und Weißen Saal der Würzburger Residenz.

Die Charakterzüge der Opernrollen, die bühnengerechte Gestik, die Lyrik und elementare Ausdruckskraft der Arien gingen nahtlos in das kongenial begleitende Orchester über.

Die Homogenität der beiden Sänger im Duett, ihr Empfindungsreichtum zwischen Ernsthaftigkeit und Humor blieben ständig präsent.

Eindrucksvolle Passagen

Eindrucksvoll gelungene Passagen von berückender stimmlicher Schönheit und großer Ausdrucksstärke kennzeichneten das hohe künstlerische und darstellerische Niveau der ausführenden Sänger. Die italienisch gesungenen Arien ließen selbst im Forte keine mangelnde Fokussierung der Vokale erkennen.

Der Empfindungsreichtum der beiden Sänger passte ideal in die Stimmungen und Zwischentöne von Mozarts lyrischen Partien, zumal sie den jeweiligen Personen der Oper den individuell getönten Ausdruck verliehen hatten, der aus der Bühnen-Situation und der charakterlichen Disposition der Figuren heraus begründet ist. Man beobachtete eine natürliche Tiefenauslegung, weder lieblich verzärtelt noch modern gehetzt.

Sängerische Eloquenz

Eine sängerische Eloquenz war ihrer Wiedergabe zueigen, und technisch versiert zeigten sie eine hinreißende Visitenkarte ihrer Gesangskunst.

Die Darbietung der Mozart-Sinfonien wirkte insgesamt geschlossen, wobei René Jacobs beispielsweise in der Jupiter-Sinfonie den stile misto zwischen Eleganz und Gelehrsamkeit sehr genau betrachtet hatte.

Zügig nahm der Dirigent auch die langsamen Sätze, wobei er die Tempovorgaben des Komponisten regelrecht übernommen hatte.

Neben dem zupackenden Gestus bevorzugten die Musiker einen federnden Orchesterklang, der weder robust ertönte noch die theatralisch-gestische Ausdruckspotenz der Sinfonien missachtete. Bisweilen erklangen hier pure Bühnendramen respektive opera buffa.

Federnde Melodik

Jacobs hob das Vorwärtsdrängende der Sinfonien in ihrer Vielschichtigkeit mit sichtbarer Begeisterung und lebhaften Dirigierbewegungen hervor. Der Ausgleich von federnder Melodik mit feinen Akzentnuancen und kantigem Tuttiklang überzeugte.

Hochspannung herrschte vom ersten bis zum letzten Takt, und die Mittelstimmen rückten zu gleichberechtigten Partnern im lebhaften musikalischen Dialog auf. Lang anhaltender Beifall. Klaus Linsenmeyer