Kultur

Kulturpolitik Eine Schau im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt begleitet die Kosten-Debatte um die vielerorts drängenden Theatersanierungen

Viel Theater um die ganz große Oper

Archivartikel

In Mannheim herrscht derzeit noch großes Schweigen. Die anstehende Sanierung des Nationaltheaterbaus von Gerhard Weber aus dem Jahr 1957 beschäftigt Stadtspitze, Intendanz und Architekten hinter den Kulissen. Von 50 bis 80 Millionen war anfangs die Rede, schnell fielen andere, weit höhere Zahlen. Eine vorläufige Kostenschätzung belief sich zuletzt sogar auf bis zu 185 Millionen Euro. Präziser sollte eine erste Kostenaufstellung Ende 2017 erfolgen, nun aber wollen Stadt und Gemeinderat sich noch vor dem Sommer 2018 mit dem Thema beschäftigen.

Während es für die Sanierung des Badischen Staatstheaters in Karlsruhe (270 bis 325 Millionen Euro) und der Württembergischen Staatstheater in Stuttgart (mindestens 340 Millionen Euro) bereits Zusagen des Landes Baden-Württemberg gibt, die Hälfte der Kosten zu übernehmen, hält sich Stuttgart beim kommunalen Nationaltheater (NTM) noch zurück.

Doch nicht nur in Mannheim, Karlsruhe und Stuttgart wird diskutiert und gezittert. Die Kölner Bühnen werden seit 2012 und bis 2022 saniert, für 545 bis 570 Millionen Euro. Aber Frankfurt bricht alle Rekorde – der Stadt steht das wohl größte kulturelle Bauprojekt Deutschlands bevor. 868 Millionen Euro soll die Sanierung der dortigen maroden Doppelanlage von Schauspiel und Oper aus den 60er Jahren kosten, bei laufendem Spielbetrieb.

Hohe Beträge für Auslagerung

Bei ausgelagertem Betrieb würden 848 Millionen Euro für die Sanierung anfallen, für Abriss und Neubau 888 Millionen Euro. Nun sorgt das Frankfurter Architekturmuseum (DAM) für eine Versachlichung der Debatte mit einer Schau über 19 vergleichbare Bühnenbauten in Europa, die in den letzten zehn Jahren saniert oder neu gebaut wurden. Im Zentrum der Schau stehen die Frankfurter Bühnen mit Oper (1400 Plätze), Schauspiel (800) und Kammerspiel (180), seit dem Bau des Schauspielhauses 1902 zusammengewachsen. Nach 1945 wurde das beschädigte Haus wiederhergestellt und als Oper genutzt; die Erweiterung des Schauspielhauses folgte etwas später. Seither wurde wenig saniert. Aber die Technik hat sich stark verändert, wie Pläne zeigen. Waren 1902 noch Bühne und Zuschauerraum ähnlich groß, wächst der Bühnenbereich seit den 60ern stetig. Heute gibt es Neben- und Hinterbühnen für wechselnde Bühnenbilder. So sieht der Besucher nur 20 Prozent des Baus, 80 Prozent machen Bühnen, Werkstätten und Verwaltung aus. Ein riesiger Betrieb, und kaum ein Theater ist mit dem anderen vergleichbar.

Das Frankfurter Haus umfasst 84 000 Quadratmeter Fläche, weitere 15 000 Quadratmeter kommen für Probebühnen, Lager und Gästewohnungen hinzu. Es ist einer der größten deutschen Theaterbauten, und die Relation von Größe und Kosten ist für DAM-Chef Peter Schmal entscheidend. Er bemängelt die in Deutschland gern betriebene Kostenverschleierung. So würden die Kosten für ausgelagerte Spielstätten während einer Sanierung oft gesondert aufgeführt – und schon sehe das Ganze besser aus. Die Frankfurter Studie summiert jedoch alles auf.

In Oslo wurde 2008 ein Neubau für Oper und Ballett in einem alten Hafengebiet eröffnet, bei heutigen Preisen würde er 393 Millionen Euro kosten. Aber das Haus ist noch nicht mal halb so groß wie Frankfurt. Die Schau zeigt auch, dass viele Theater nun tagsüber geöffnet sind und zum Beispiel eine Stadtbibliothek beherbergen. Um etwas Ähnliches in Frankfurt einrichten zu können, müsste das Areal um das Haus entrümpelt werden. Derzeit will der Magistrat jedoch nur eine preiswertere Sanierung, so der neue Prüfauftrag. rcl/hut