Kultur

Mühlenfestspiele Kochertürn Das Figurentheater Berlin zeigt das Stück „Der Bärtige“

Viele magische Momente

Archivartikel

„Bitte nicht erschrecken! Ich werde jetzt ganz langsam meinen Bart abnehmen“, sagt einer der drei Methusalems, die von sich behaupten „Wir waren hier, bevor die Welt entstand“. Wann und wie die Welt geschaffen wurde, erzählen die Schöpfungsmythen.

Die drei Puppenspieler Eva Kaufmann, Alexandra Kaufmann (bekannt als Kaufmann & Co.) und Gyula Molnár, eine Koryphäe des Fachs, haben in diesen literarischen Urgründen gewildert und präsentieren das Stück „Drei Bärtige“ zum Abschluss der Mühlenfestspiele in Kochertürn.

Aus den dunklen, ozeanischen Tiefen der Zeit tauchen die drei Alten am Anfang auf, nähern sich schwankend ihrer eigenen kleinen Schöpfungsgeschichte. Sein Volk hat sich das Trio selbst geschnitzt, harte Arbeit, die Hände sind noch voller Splitter, sagt einer und hält seine völlig unversehrten Handflächen dem Publikum entgegen. Sind die im Laufe der Zeit verheilt oder haben wir es mit notorischen Lügern zu tun?

Schweres leicht und Kleines groß zu spielen, die Komik im Tragischen und die Tragik im Komischen suchen, sind Devisen, nach denen diese Figurentheatergruppe ihre Stücke konzipiert und beim Improvisieren entwickelt. Nun stehen sie vor der Spielfläche, zwei Küchentische, und beratschlagen, was mit dem Volk, das sie selbst gezeugt haben, zu tun wäre. „Rustikal, zünftig und gerade heraus, so ist das Volk – und es sind viele“. Ein etwas desparater Haufen, dessen Repräsentant der Esel ist und dessen Poet sich aus dem Staub gemacht hat.

40 Jahre ist das Volk durch die Wüste gezogen. Es hat großen Durst und begehrt auf, darf aber nicht wissen, dass man das Meer nicht trinken darf. Da angelt einer der Drei eine Wolke. Ein anderer zerpflückt diese Zuckerwatte und lässt die Flöckchen wie Manna vom Himmel fallen. Der Kaiserwalzer erklingt, es wird getanzt und der Jubel ist groß: „Manna für alle!“ Das ist wunderbar, nein Wunderbart!

Flugs muss der Chronist die Rettung notieren. Auf einen Stein, der vormals ein Zahn war, den sie sich selbst gezogen haben. Aber wirklich nur die Fakten, denn für Träume und Erinnerungen ist kein Platz auf diesem Stein.

In 70 Minuten entsteht ein Kosmos poetischer Szenen, zusammenmontiert aus alttestamentarischen Überlieferungen, angereichert mit viel Weltwissen und Ironie. Manchmal geht der rote Faden der Geschichte in der Fülle der Assoziationen und Subtexte unter.

Dennoch faszinieren viele magische Momente, insbesondere, wenn die Welt der Holzfiguren mit denen der Darsteller verschmilzt, wenn beispielsweise die Puppen-Sängerin den schlafenden Bärtigen an die Hand nimmt, und ins Traumland entführt.

Dann gibt’s begeisterten Szenenapplaus und Bravos.