Kultur

Klassik Sopranistin Sonja Saric im Florian-Waldeck-Saal

Vielfältiger Liederabend

Archivartikel

Warum er Puschkin vertone, fragte Sidney Corbett den Komponisten Dimitri Terzakis. „Ganz einfach, weil er mir gefällt“, antwortet der Grieche mit deutscher Staatsbürgerschaft. Und den Hörern gefällt seine vor drei Jahren entstandene Komposition „Ostwind“ außerordentlich gut, zumal sie von der Sopranistin Sonja Saric im Florian-Waldeck-Saal so kompetent und intensiv interpretiert wurde. Die fünf Puschkin-Gedichte kreisen metaphorisch um Liebe, Vereinsamung, Trunk, Verwelken und Tod, immer mit einem leicht ironischen Unterton versehen.

Plastische Darstellung

Terzakis vertraut in seiner musikalischen Umsetzung auf das erzählerische, bildhafte Potenzial einer Singstimme. Da setzt die junge Sängerin, an der Mannheimer Musikhochschule ausgebildet und mit vielen Preisen bedacht, eine weite Ausdrucksskala ein, die von träumerischer Liebessehnsucht, über die Sprödigkeit („Winterabend“) hin zu originellen Vokalisen, hell timbrierter Wehmut und balladenhaften Moritat um den erschlagenen Ritter reicht. Immer gut geleitet von Barbara Baun am Flügel glückte Sonja Saric eine plastische, von starker Zuwendung getragene Darstellung.

Mit drei Schubert-Liedern wurde der Spätnachmittag eröffnet. Auffällig der ruhige Atem „Nacht und Träume“, bedeutsam ausgesungen die selbstquälerischen Spitzen des Gretchens am gleichförmig sich drehenden Spinnrad. Gut gefielen in drei Liszt-Liedern die Farbwechsel, und mindestens ebenso gut die musikalisch-poetische Substanz, welche die beiden Künstlerinnen den fünf Rückert-Vertonungen von Gustav Mahler zumaßen. Und blanke Klangsinnlichkeit zeichnete drei Rachmaninow-Lieder aus.

Sonja Saric verfügt über eine attraktive, große Stimme, die während einiger Momente fast zu groß im Florian-Waldeck-Saal eingesetzt wurde. Die Sängerin möchte die große Bühne und die Intimität des Liedgesangs gleichgewichtig ausfüllen. – „Es muss ein Wunderbares sein“, diese innige Vertonung von Franz Liszt, sang Sonja Saric als Zugabe nach ihrem nachhaltig bejubelten Auftritt. 

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