Kultur

Literatur Christopher Nehring spricht über Siegfried Kath

Vom Kellner zum Millionär in der DDR

Die Geschichte der DDR ist voller Paradoxien. Es gab dort Menschen, die mitten im Sozialismus den „American Dream“ lebten. Einer davon ist der Antiquitätenhändler Siegfried Kath, der innerhalb weniger Jahre vom Kellner zum Millionär aufstieg. Der Historiker Christopher Nehring, Jahrgang 1984, Leiter der Forschung im Deutschen Spionagemuseum Berlin, hat unter dem Titel „Millionär in der DDR“ die erste Biografie dieser schillernden Persönlichkeit vorgelegt. Am Mittwochabend stellte er sie im Kunstverein Mannheim vor.

Unterlegt mit Fotos und Dokumenten illustrierte Nehrings Vortrag die wechselhafte und spannende Geschichte des Staatlichen Kunsthandels in der DDR an der Person Kaths. Was die wenigsten wissen: 1961, kurz nach dem Mauerbau, sind zwar drei Millionen DDR-Bürger in den Westen geflüchtet, doch mehr als 500 000 sind den umgekehrten Weg gegangen, unter ihnen auch der damals 25-jährige Kath. Zunächst kellnerte er, gründete in Dresden das „Café Baltimore“ und begann gleichzeitig, Antiquitäten zu sammeln. Der Deal: Kath beschaffte die Ware, der Kunsthandel die Kunden. Auch das Ministerium für Außenhandel hatte seine Hand im Spiel.

Was für ein Mensch war Kath?

So erwirtschaftete Kath Millionen. Höchstwahrscheinlich legte er auch die Grundlage für das spätere Kunst- und Antiquitätenimperium des Stasi-Obersten Alexander Schalck-Golodkowski, der durch Verkauf von DDR-Eigentum Devisen für Ost-Berlin herbeischaffte, so Nehring. „Auf Kath stieß ich bei Recherchen zum Thema Kunst und Geheimdienste“, erzählte der Autor und bedauerte, dass diese außergewöhnliche Figur nie umfassend gewürdigt wurde.

In seinen Recherchen trieb ihn die Neugier um, was das für ein Mensch war, der ausgerechnet in dem unternehmerfeindlichen Land zum Millionär aufstieg. Die Nachforschungen haben ihn fast zwei Jahre in Anspruch genommen, wobei er nicht nur Archive konsultiert hat, sondern auch Zeitzeugen, darunter Kaths Frau Annelies. Das Glück währte nicht lange. Kath wurde denunziert und des Schmuggels beschuldigt. „Es ist ein gutes Beispiel für das Misstrauen, das westdeutschen Zuwanderern entgegengebracht wurde“, so Nehring.

Nach einjähriger Haft wurde das Ehepaar in die Bundesrepublik zurückgeschickt. Hier versuchte Kath erneut ins Geschäft einzusteigen, jedoch ohne Erfolg. Er starb 2008 in Berlin: „Aus seinen Akten geht hervor, wie sich die Stasi einen Verbrecher selbst geschaffen hat, dessen Hauptvergehen darin bestand, in der DDR reich zu werden.“

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