Kultur

Stuttgarter Komödie im Marquart Der Schwank „Tratsch em Treppahaus“ ist so richtig schön aus dem Alltagsleben gegriffen

Vom Plattdeutschen ins Schwäbische

In diesem Fall heißt es zur Abwechslung einmal nicht: „Viele Köche verderben den Brei“.

Ganz im Gegenteil, denn da waren zwei Köche und eine Köchin beteiligt, bis das Gericht mundgerecht den Besuchern der Stuttgarter Komödie im Marquardt serviert wurde.

„Sluderkraam in’t Treppenhus“ heißt die wohlschmeckende Speise, die 1960 zum ersten Mal in der Niederdeutschen Bühne in Flensburg aufgetischt wurde.

Kreiert wurde sie von dem damals 45-jährigen Chef des Hauses, dem gebürtigen Flensburger Jens Exler, der 1987 in seiner Vaterstadt gestorben ist.

1962 erstmals ausgestrahlt

1962 wurde die Komödie zum ersten Mal in einer hochdeutschen Fassung im Fernsehen ausgestrahlt. Weitere folgten 1966 und 1974, wie die erste mit Heidi Kabel in der Hauptrolle, sowie 2014, jetzt mit Heidi Mahler als Meta Boldt.

Bearbeitet und modernisiert von Florian Battermann, wird nun der Schwank, „ins Schwäbische übertragen von Monika Hirschle“, die auch gleich die Frau Boldinger verkörpert, unter dem Titel „Tratsch em Treppahaus“, in der Stuttgarter Komödie im Marquardt gezeigt. 1995 stand er dort zum ersten Mal auf dem Spielplan.

Die gleichen Probleme

Dabei zeigt es sich, dass die kleinen Probleme des Lebens, die im Treppenhaus eines Mietshauses abgehandelt werden, im hohen Norden die gleichen sind wie im Süden Deutschlands, ob nun in Plattdeutsch oder in Schwäbisch.

Da gibt es den „Schlachtermeister“ – besser Metzger – und Hauswirt Bernhard Trambacher, der wohl bei seiner Frau zu kurz kommt und sich deshalb an den anderen Frauen schadlos halten will, an der Witwe Hanne Knopf, vor allem aber an deren jungen Untermieterin Silke Seefelder.

Doch bei ihr kommt ihm Klaus Brummer in die Quere, der ebenso illegal wie Silke Seefelder bei Henne Knopf, bei seinem Onkel Ernst, einem pensionierten Steuerinspektor, zur Untermiete wohnt.

„Ich nehme nur Anteil“

Und dann taucht noch Herr Seefelder, Silkes Vater, auf, um seine von zu Hause ausgerissene Tochter wieder heimzuholen und der in Markus Brummer gleich noch einen Schwiegersohn findet, dem er zuvor schon, ohne sein Wissen, eine Stellung in seinem Geschäft verschafft hat.

Die Hefe in dem Teig, der da angerührt und zu einem Komödienkuchen gebacken wird, ist Frau Boldinger, die mit einem Beamten im Jusitzvollzugsdienst, den man aber nicht kennenlernt, verheiratete Tratschtante, sozusagen die Herrin im Treppenhaus, die dort die Fäden zieht und behauptet: „Ich bin nicht neugierig, ich nehme nur Anteil“.

Und den nahm auch der Autor Jens Exler, der einst sagte: „Ich hatte täglich mit Mietern zu tun, denn ich war von 1945 bis 1976 bei der Wohnungsbau Flensburg tätig und da habe ich natürlich einiges miterlebt und in dem Stück verarbeitet„.

Ein Treppenhaus und dazu auf einem Stock mehrere Wohnungstüren, das ist das stimmende Bühnenbild von Leif-Erik Haine, der auch für die jeweils passende Kostümierung der handelnden Personen verantwortlich zeichnet.

Mit lockerer Hand führt Volker Jeck Regie, der bei der Stuttgarter Erstaufführung am selben Ort vor 23 Jahren den Vater der Untermieterin verkörperte und der jetzt den Darstellern die Freiheit lässt, sich in ihrer Art zu profilieren.

Davon macht vor allem Monika Hirschle als Frau Boldinger reichlich Gebrauch.

Rolle auf den Leib geschrieben

Der beliebten schwäbischen Volksschauspielerin ist die Rolle der Traschtante geradezu auf den Leib geschrieben.

Und so feiert sie wieder einmal Triumphe in der Art, wie sie dieser, sozusagen aus dem Alltagsleben gegriffenen, mit Vorsicht zu genießenden Person, ein ganz eigenständiges, kabarettreifes, unverwechselbares Profil gibt.

Norbert Aberle ist der einem Bilderbuch entsprungene Steuerinspektor a. D. Ernst Brummer. Ein wenig vertrocknet, aber immer noch für Aufmerksamkeit dankbar, gibt Rose Kneisler die Witwe Hanne Knopf.

Frischer Wind im Mief

Als ältlichen Treppenhaus-Casanova zeichnet Reinhold Weiser den Hauswirt Bernhard Trambacher. Unkonventionell bringen Antonie Leichtle und Jörg Pauly als junges Pärchen, Silke Seefelder und Markus Brummer, frischen Wind in den Mief des Treppenhauses, in dem Armin Jung als Geschäftsmann, Herr Seefelder, ein weiterer Fremdkörper ist.