Kultur

Theater Heilbronn Intendant Axel Vornam und sein Team präsentieren den Spielplan der Saison 2018/19

Vom „Steppenwolf“ bis zum „Traumfresserchen“

Mit Shakespeares Königsdrama „Richard III“ (1592/93) am 28. September, gefolgt vom Schauspiel „Harper Regan“ (2008) des Briten Simon Stephens am 6. Oktober, startet das Theater Heilbronn in die Spielzeit 2018/2019.

Intendant Axel Vornam präsentiert mit dem Leitungsteam – Andreas Frane (Chefdramaturg und stellvertretender Intendant), Uta Koschel (Chefregisseurin), Sophie Püschel (Dramaturgin) und der neuen Leiterin des Jungen Theaters Annette Kuß – den Spielplan.

Er trägt den Titel „#Sinnsucher/No Limits“. Insgesamt 26 Premieren erwarten das theaterbegeisterte Publikum, das in Heilbronn übrigens mit 7000 Abonnenten deutschlandweit ganz vorne mitspielt – so steht‘s im Spielzeitbuch. Der Sinnsucher schlechthin und eine der wichtigsten literarischen Figuren des 20. Jahrhunderts ist Hermann Hesses „Steppenwolf“ (1927). Was einst Mutprobe und Initiationsritus war, sind heute Kontrollverlust in rauschhaften Exzessen.

Solche exerziert das sensible Alter Ego des Autors durch; Harry Haller hat die Selbstfindungsphase von Generationen junger Menschen geprägt. Der Roman ist Abi-Thema, die Premiere der Bühnenfassung von Joachim Lux in der Regie von Malte Kreutzfeldt ist am 19. Januar 2019.

Fallen und wieder aufstehen

Die gesellschaftliche Relevanz von Sinnsuche und Grenzüberschreitung sei für die Stückwahl maßgeblich gewesen, denn gleich welcher Gesinnung, alle Helden kämpfen um die Einlösung ihres Glücksanspruches im einzigen Leben, über das sie verfügen.

Sie stellen sich dem Chaos, blicken in Abgründe, sie fallen und stehen wieder auf, sie irren und verirren sich, um wieder von vorn zu beginnen. Auf der Bühne überschreiten sie bewusst Demarkationslinien gesellschaftlicher Konventionen, spielen stellvertretend für uns Möglichkeiten des Handelns durch: „Wir sind aufgerufen mitzudenken, mitzufühlen, gegenteiliger Meinung zu sein und am Ende miteinander die Frage zu diskutieren, wie würden wir uns verhalten, wie verhalten wir uns tatsächlich?“, mahnt Vornam, der diesen Diskurs für dringend erachtet, zumal in Zeiten, die komplexer und undurchschaubarer geworden sind.

Ob die Verrückten in der „Pension Schöller“ (ab 24. November 2018), der Verbrecherkönig Mackie Messer in Brechts „Dreigroschenoper“ (ab 16. März 2019), Arthur Millers „Hexenjagd“ (ab 4. Mai 2019) oder Irrungen und Wirrungen in der lustvollen Geschlechterkomödie „Viel Lärm um Nichts“, die Suche nach dem richtigen Leben im falschen (Adorno) hält Menschen auf Trab.

In der Komödie „Die Tanzstunde“ (ab 9. November 2018) finden sich zwei einsame Seelen, in Woody Allens „Spiel‘s nochmal Sam“ (ab 12. Januar 2019) eifert ein Filmkritiker seinem Ideal nach, auf der Suche nach einem Alibi ist der Protagonist in Eric Assous „Unsere Frauen“ (ab 10. Mai 2019) und im Sommer-Gastspiel „Wir sind mal kurz weg“ schickt Autor Tilmann von Blomberg, frei nach H.P. Kerkeling, drei Männer zur Sinnsuche auf den Jakobsweg.

Gutes Kindertheater vom Weihnachtsstück „Dschungelbuch“ (ab 4. November 2018) über „Netboy“ (ab 29. September 2018) und „Tigermilch“ (ab 27. April 2019) bis zum „Traumfresserchen“ (ab 23. Juni 2019) von Michael Ende ist für jedes Alter etwas dabei.

Oper („Rigoletto“, „Gärtnerin aus Liebe“), Operette („Die Fledermaus“, „Das Land des Lächelns“) und zwei Tanzgastspiele („Marilyn“, „Der Tod und das Mädchen“) bereichern das Programm ebenso wie die Reihe „Theater spezial“ mit Kabarett, Comedy, Lesungen und Konzerten.