Kultur

Geburtstag Der Schauspieler Max von Sydow wird heute 90 Jahre alt / Schwede stellte oft deutsche Charaktere dar

Von Bergman zu „Game of Thrones“

Er war Attentäter und Eroberer, Teufelsaustreiber und der Teufel selbst, König und sogar Jesus: Es gibt nicht viele Rollen, die Schauspieler Max von Sydow in seiner Karriere ausgelassen hat. Nun wird der Schwede, der mittlerweile Franzose ist, 90 Jahre alt. Ist es für die Filmlegende mit den deutschen Wurzeln damit nicht langsam Zeit für den Rückzug? Nein.

Das Schauspiel – zunächst fürs Theater, dann für die Leinwand – war schon immer von Sydows Leben und wird es wohl auch bleiben. Er lerne mit jedem Film etwas dazu, erzählte er 2012 während eines Interviews mit der Deutschen Presse-Agentur und anderen Medien bei der Berlinale. „Das ist das Tolle am Schauspielern: Mit jeder neuen Rolle lernst du etwas Neues, selbst wenn sie zunächst einer früheren Rolle sehr ähnelt“, sagte er damals.

Diese Neugier auf Neues hat von Sydow agil gehalten. Zuletzt war der hochgewachsene Charakterdarsteller mit der markigen Stimme und der schlaksigen Gestalt unter anderem in „Star Wars: Das Erwachen der Macht“, der Erfolgsserie „Game of Thrones“ und im Drama „Kursk“ zu sehen. Weitere Filme befinden sich gerade in der Nachbearbeitung.

Komplexe Rollen

Geboren wurde er als Carl Adolf von Sydow am 10. April 1929. Er wuchs in Lund in der südschwedischen Region Skåne auf. Schon in der Schulzeit gründete er mit anderen eine Theatergruppe, lernte früh Englisch und Deutsch. Nicht selten hat er deutsche Charaktere gespielt, und des Öfteren wurde er für einen Deutschen gehalten. Das Königliche Dramatische Theater in Stockholm bildete ihn zum Schauspieler aus, ehe er in den 1950er Jahren in Malmö auf Regisseur Ingmar Bergman traf.

Dessen Filme – erst „Das siebente Siegel“, in dem von Sydow als Ritter Block auf unvergessene Weise mit dem Tod Schach spielte, dann „Die Stunde des Wolfs“, „Schande“ und weitere – machten ihn international bekannt. Die Zusammenarbeit mit Bergman sei die wichtigste Zeit seiner Schauspielkarriere gewesen, ließ von Sydow immer wieder wissen. Es folgte der Gang nach Hollywood und mit ihm eine komplexe Rolle nach der anderen. Von Sydow spielte Jesus („Die größte Geschichte aller Zeiten“, 1965), lebte in Los Angeles, zog weiter nach Rom und machte sich auch um mehrere italienische Filme verdient. Gleichzeitig blieb er Hollywood treu: In „Der Exorzist“ (1973) verkörperte er Pater Lankester Merrin, im James-Bond-Film „Sag niemals nie“ (1983) Sean Connerys Gegenspieler Blofeld.

Bisher ohne Oscar

Für seine Darstellung in „Pelle, der Eroberer“ (1987), den er selbst als einen seiner Lieblingsfilme bezeichnet hat, wurde er für den Oscar des besten Schauspielers nominiert. Apropos Oscar: Den bekam von Sydow (bislang) noch nicht. Auch Filmprojekte mit Woody Allen, Steven Spielberg und Wim Wenders sowie Rollen an der Seite von Schauspielern wie Robin Williams, Tom Hanks und Leonardo DiCaprio änderten daran nichts. In Cannes wurde von Sydow 2004 für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Privat hat der zurückgezogen lebende Schauspieler mit der Französin Catherine Brelet seine zweite große Liebe gefunden. Er heiratete die Filmemacherin 1997, mit ihr hat er ebenso zwei Söhne wie mit seiner ersten Frau Christina Olin.

Für Brelet zog von Sydow nach Frankreich, was eine kleine Kontroverse in seiner schwedischen Heimat auslöste: Seinen schwedischen Pass musste er 2002 abgeben, um französischer Staatsbürger zu werden. Auf seiner Facebook-Seite, die in Zusammenarbeit mit einem seiner Söhne mit Inhalt gefüttert wird, wird er mit den Worten zitiert: „Ich liebe mein Land Frankreich so sehr!“