Kultur

Von Blitz und Donner

Archivartikel

Für die alten Griechen war die Sache klar: Ihre Götter sitzen auf dem Berg Olymp, und ganz obenauf sitzt der oberste Gott mit Namen Zeus. Zuweilen kommt er auf die Erde, lässt sich auf ein Techtelmechtel ein, weil er ja zu leben weiß. Aber manchmal ist er auch verärgert, wofür ihm Menschen, seine Göttergattin oder auch eigene göttliche Kinder Anlass geben. Dann geht eben ein Donnerwetter los. Und was steht dabei am Anfang? Richtig, ein ordentlicher Blitz – ihn und Donner sendet Zeus zur Erde, wenn er zornig ist. Und auch wenn Zeus dort erscheint, ist immer zunächst ein Blitz zu sehen.

Die Götter der alten Griechen agieren ja alle sehr frei und menschlich, und Zeus ist oft zornig gewesen. Also hat es im alten Griechenland, das für die weitere Entwicklung der europäischen Kultur so wichtig war, viel geblitzt und gedonnert. Und apropos menschlich: Negative Gefühle lassen sich sowieso nicht dauerhaft unterdrücken, sie müssen immer wieder mal rausgelassen und artikuliert werden. Nun kommen wir der Sache schon näher. Es ist nämlich so, dass Bayern mit Garmisch-Partenkirchen erneut den Landkreis sein eigen nennen darf, der im Jahr 2017 die meisten deutschen Blitze verzeichnet hat. Im Jahr zuvor sind die meisten im unterfränkischen Aschaffenburg niedergegangen, 2015 lag das ebenfalls bayerische Schweinfurt an der Spitze.

Menschliches Bayern

Es geht also, so deuten wir das, in Bayern am menschlichsten zu. Ebenso lässt sich sagen, dass dies am ehesten dort mit göttlichem Gleichmut hingenommen wird. Wenn sich genügend aufgestaut hat, muss es eben raus. Das wird im Bierzelt ebenso sein wie in der CSU. Und warum auch nicht? Ein Gott – Zeus – ist ja kein schlechtes Vorbild. Das blitzreichste Bundesland ist indessen Sachsen gewesen. Wie das nun passen soll? Nun, auch Sachsen ist ein Freistaat, also wird auch dort Eigensinn, ergo Menschlichkeit großgeschrieben. Die Bayern und die Sachsen sind in Sachen Mentalität (und Sprache) vielleicht die größten deutschen Sonderlinge.

Am wenigsten geblitzt hat es im pfälzischen Pirmasens, was übrigens wie die anderen Angaben der Blitz-Informationsdienst der Firma Siemens mitteilt, über den die Deutsche Presse-Agentur berichtet. Und tatsächlich ließe sich sagen, in Pirmasens sei seit Jahren nicht mehr viel los. Die blitzreichste Region Europas ist Slowenien, am seltensten sind Irland und Norwegen entsprechend erleuchtet worden. Letztgenannte sind ja auch weit weg vom Olymp. Und Slowenien liegt ihm ein Stück näher als Deutschland. Thomas Groß