Kultur

Vorprogramm Bokassa und Ghost überzeugen als Anheizer für die Hauptattraktion, deren Gründer selbst erklärte Fans der beiden skandinavischen Vorgruppen sind

Von deftiger Kost bis zu geisterhaften Harmonien

Archivartikel

Bei Großkonzerten dieser Dimension gelten sie meist nur als Begleitmaterial des proklamierten Headliners – doch was die Vorgruppen beim Metallica-Open-Air auf dem Maimarktgelände an Show-Material auf die imposante Bühne legten, ließ sich durchaus sehen, und auch Hören. Kein Wunder: Bokassa und Ghost zählen zu den erklärten Lieblingsbands der Metallica-Gründer James Hetfield und Lars Ulrich.

Das nahm bereits bei den Stoner Rockern von Bokassa aus dem norwegischen Trondheim seinen Lauf. Da mochte die sommerliche Sonne bereits für tüchtig Temperatur auf dem steinigen Boden sorgen: Das skandinavische Trio heizte die Menge auch melodisch ein erstes Mal auf. Dabei wurden die reibungsvollen Kontraste zwischen Rock und Punk durchaus fühlbar – etwas mehr hätte man die Vibrationen zwischen den Genres aber durchaus auf die Spitze treiben dürfen.

Mehr oder weniger überraschend

Denn auch, wenn die Riffs des Dreigespanns durchaus deftig durch die Boxen schallten: Wer dem Kollektiv um Sänger Jørn Kaarstad eine halbe Stunde zugehört hat, für den ist der folgende Gang der Dinge kein Geheimnis mehr. Allzu rasch ließen sich die kommenden Nummern ausrechnen. Mit großen Überraschungen war kaum zu rechnen.

Ganz im Gegensatz zum schwedischen Doom-Metal-Projekt Ghost, das bei den Fans erstaunlich gut einschlug. Mit blutrotem Anzug, finster gefärbtem Haar und tiefschwarz umschminkten Augen machte Frontmann Tobias Forge zwar kein Geheimnis daraus, dass er sein Heil in den dunklen Anklängen begreift – sorgte mit seinen fünf „Nameless Ghouls“ an den Instrumenten aber für tüchtig Abwechslung.

Wenn sich die geisterhaften Harmonien langsam und episch ausbreiten, entfachen Ghost dabei fast schon Erinnerungen an die frühen Alben von Candlemass, zeitweise sind Forge und seine Bandmitglieder aber auch den progressiven Klängen von Anathema oder Paradise Lost ganz nah.

Und so gelingt es den maskierten Mannen aus dem hohen Norden nicht nur, die schwitzenden Fans stilvoll bei Laune zu halten, sondern sich auch in einem Set von einer stolzen Stunde inhaltlich auch kaum zu wiederholen. Forges enthusiastisch herausgeschriene Frage „Hey Mannheim, wie zum Teufel geht es euch?“ beantworten die Fans im ersten Wellenbrecher mit überraschend großem Jubel. Ein eindrucksvoller Beleg dafür, wie sehr es sich lohnen kann, auch bei sengenden Temperaturen schon weit vor dem Hauptact vor Ort zu sein. Viel authentischer hätten Bokassa und Ghost für die Metal-Legenden kaum eröffnen können.

Zum Thema