Kultur

Comedy Faisal Kawusi im Mannheimer Capitol

Von der Burka bis zu Bollywood

Archivartikel

„Ihr seid jetzt alle Faisalisten“, dürfen sich die Zuschauer am Ende, als es an die Verabschiedung geht, in Bausch und Bogen mit in den Fan- und Verehrer-Kreis des Comedians rekrutiert fühlen. Knapp zwei Stunden Programm hat Faisal Kawusi bis dahin im Mannheimer Capitol präsentiert. „Anarchie“ hat es der 28-Jährige genannt, es ist seine zweite Solo-Bühnenshow nach „Glaub nicht alles, was du denkst“.

Das Haus ist voll und das nicht nur zu diesem Zusatztermin, der wegen großer Nachfrage dem ursprünglichen Kawusi-Kalendereintrag direkt vorangestellt worden ist: Beide Abende – übrigens am selben Ort, wo der junge Humorist 2014 den Mannheimer Comedy Cup gewann – sind fast ausverkauft.

Der Komiker mit den afghanischen Wurzeln und der imposanten Statur setzt dabei einerseits auf interkulturelle Spannungsfeld-Sujets zwischen Mettigel, Burka und Bollywood-Hochzeit. Zugleich ist „Anarchie“ aber weniger ein frontal unterrichtendes, Pointen-orientiertes Programm, als vielmehr ein interaktives: Einen nicht unbedeutenden Teil der Show nehmen Kawusis Plaudereien mit dem Publikum ein, bei denen er sich durchaus schlagfertig zeigt.

Strafraum politischer Inkorrektheit

Mit einiger Chuzpe und unerschrockener Unverfrorenheit kalauert und grätscht er sich hier wie dort auch gerne in den Strafraum politischer Inkorrektheit hinein. Das Aufreger-Potenzial eines solchen Comedy-Ansatzes ist ihm freilich selbst bewusst – und er lässt ihn nicht unkommentiert: „Ich kann nicht verstehen, wie man sich auf der einen Seite über Witze aufregt, aber auf der anderen Seite toleriert, dass Rentner Pfandflaschen sammeln müssen, weil sie nicht genug Geld zum Leben haben“, sagt Kawusi.

„Liebe Faisalisten, es gibt einen Ort, da kannst du keine Regeln aufsetzen“, fügt er zum Abschied hinzu. „Es gibt einen Ort, da gibt es keine Gesetze. Es gibt einen Ort, der ist immer frei und dort herrscht immer Anarchie. Und das sind unsere Gedanken und unsere Fantasie.“ Großer Applaus.

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