Kultur

Filmfestival Gespräche liefern Einblicke und Hintergründe

Von der Entfaltung eines Werkes

Archivartikel

Großartig sei es gewesen. Das „i-Tüpfelchen“ eines Films, der bereits „am obersten Qualitätslimit gekratzt“ habe. Frank Jablonsky ist über das Filmgespräch zu „Styx“ begeistert. Die Gespräche, die auf dem abendlichen Programmplan des Festivals des deutschen Films in Ludwigshafen im Anschluss an ausgewählte Vorführungen ihren festen Platz einnehmen, „machen aus dem Festival einfach noch einmal etwas Besonderes“, sagt der Mannheimer am Montagabend.

An diesem Abend sitzen mit Hauptdarstellerin Susanne Wolff, Regisseur Wolfgang Fischer sowie Produzent Marcos Kantis die Macher von „Styx“ auf dem Podium in dem am Ufer des Rheins gelegenen Zelt. Das Ziel sei es nicht, „einen Film zu zerreden, sondern ihn durch Hintergrundinformationen zu entfalten“, erklärt Moderator Rüdiger Suchsland. Die Filmgespräche dienen dazu, „über Botschaften eines Films nachzudenken“.

Interpretationen und Deutungen

Diskutiert wird an diesem Abend eine Menge. Moderator, Filmemacher und vor allem Zuschauer finden reihenweise neue Aspekte zu „Styx“, der die Geschichte der Medizinerin Rike erzählt, die während eines Segeltörns auf ein in Seenot geratenes Schiff voller Flüchtlinge trifft. Bei ausbleibender, aber versprochener Hilfe und einem zu kleinen eigenen Segelschiff, stößt Rike an humanitäre und persönliche Grenzen.

Das Filmgespräch zeigt: Heikle Themen berühren Akteure und Zuschauende zugleich. Und so erzählen Produzenten und Regisseure über ihre schwierigen Dreharbeiten auf Malta, in Nähe einer Flüchtlingsaufnahmestation oder bei Sturm und extremem Wellengang auf hoher See. Das Filmgespräch liefert interessante Eindrücke, die die Wortmeldungen aus dem Publikum mit eigenen Interpretationen ergänzen, bereichern – ja, dieses Filmgespräch zu einem besonderen machen.

„Wie kann es sein, dass gegen Rike am Ende des Films ermittelt wird, obwohl sie Menschen gerettet hat?“, ist die Frage einer Zuschauerin, die hörbar mit ihren Emotionen zu kämpfen hat. „Das ist ja unglaublich.“ Aber auch die Deutung, die Mythologie des Werks wird hinterfragt. „Der Sturm als Fahrt in die Unterwelt, die Ärztin als passive Sterbebegleiterin.“ Die Wortmeldung eines Zuschauers ist wohl der Höhepunkt des Gesprächs, das fast eine Stunde lang Einblicke und Deutungen liefert. Die Filmgespräche, sie werden vom Publikum gut angenommen und sind zurecht eine feste Größe im Programm des Filmfestivals. seko

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